Wissenschaftsminister Wolf: Johannes Gutenberg-Universität bei Exzellenzstrategie erfolgreich. Mainzer Physiker national führend

Der Exzellenzcluster „Präzisionsphysik, fundamentale Wechselwirkungen und Struktur der Materie“ (PRISMA) der Johannes Gutenberg-Universität wird im Rahmen der neuen Runde der bundesweiten Exzellenzinitiative gefördert. Heute teilte die Exzellenzkommission des Bund-Länderprogramms Exzellenzstrategie mit, dass die Arbeiten von PRISMAplus in den kommenden sieben Jahren mit voraussichtlich mindestens 58 Millionen Euro gefördert werden. Die konkrete Förderhöhe wird in den kommenden Tagen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bekannt gegeben.

„Ich gratuliere den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Universität zu diesem großartigen Erfolg. Das herausragende Abschneiden ist erneut ein deutlicher Beleg für die exzellente Qualität der Mainzer Wissenschaft. Es ist zugleich die verdiente Anerkennung für all diejenigen, die in den vergangenen Jahren mit ihren hervorragenden Kompetenzen und ihrem großartigen Engagement die Spitzenforschung an ihrer Universität vorangebracht haben. Ich verbinde meine Gratulation mit einem herzlichen Dankeschön an sie alle“, so der rheinland-pfälzische Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Prof. Dr. Konrad Wolf.

Die Eigenschaften dunkler Materie und die Existenz neuer Teilchen und Kräfte gehören zu den spannendsten Fragen der Grundlagenphysik. Ihre Beantwortung gibt Aufschluss über die Struktur der Materie und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Universums. Dort setzt die Forschung des Exzellenzclusters „Präzisionsphysik, fundamentale Wechselwirkungen und Struktur der Materie“ (PRISMAplus) an der Johannes Gutenberg-Universität an. Seit 2012 festigt diese national und international viel beachtete Forschung  den Status der Mainzer Universität als etabliertes internationales Zentrum der Teilchen-, Hadronen- und Kernphysik. Die Mainzer Forscherinnen und Forscher haben in den letzten Jahren bereits wesentliche Beiträge zur Beantwortung dieser Fragen geleistet und werden künftig weitere Beiträge leisten können.

Nachdem die Mainzer Forscherinnen und Forscher sich bereits in der ersten Wettbe-werbsrunde gegen 194 Mitbewerbungen durchgesetzt hatten wurde nun durch die Exzellenzkommission abschließend entschieden, welche der vorliegenden 88 Anträge eine der begehrten Förderungen als Exzellenzcluster erhalten. PRISMAplus ist einer der 57 Exzellenzcluster, der im Rahmen der Exzellenzstrategie künftig gefördert wird. Der Exzellenzkommission gehören neben der Bundesministerin für Bildung und Forschung die Wissenschaftsministerinnen und -minister der Länder auch 39 nationale und internationale Expertinnen und Experten aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten an.

Bund und Länder haben sich verpflichtet, für Exzellenzstrategie  in den Jahren 2019 bis 2025 insgesamt 3,7 Milliarden Euro bereitzustellen. Die Ausgaben für die Realisierung aller bewilligten Vorhaben übernehmen der Bund im Umfang von 75 Prozent und das jeweilige Sitzland zu 25 Prozent. 

Der erfolgreiche Exzellenzcluster

Das Standardmodell der Teilchenphysik Phänomene wie die Existenz Dunkler Materie und die Dominanz von Materie über Antimaterie im Universum ist unerklärt. Ziel von PRISMAplus ist die Suche nach „neuer Physik“ mit einer Kombination aus neuartigen Präzisionsmessungen und führenden Beteiligungen an internationalen Großexperimenten. Am neuen Beschleuniger MESA - Mainz Energy-recovering Superconducting Accelerator werden zukünftig die weltweit genauesten Messungen zur Suche nach leichten Teilchen durchgeführt und damit Neuland bei der Erforschung der Dunklen Materie betreten. Messungen am  Mainzer TRIGA-Reaktor werden dazu beitragen, Widersprüche zwischen verschiedenen Messungen wichtiger atomarer Größen aufzuklären. Das sind zwei Beispiele für das breitgefächerte experimentelle Programm, das durch international herausragende theoretische Präzisionsrechnungen abgerundet wird, die die Entwicklung theoretischer Modelle sowie Suchstrategien für neue Physik unterstützten. Das Mainzer Institut für Theoretische Physik, der Mainzer Öffentlichkeit bekannt durch seine Veranstaltungen „Physik im Theater“, verstärkt diese Aktivitäten durch die Ausrichtung von Workshops und ein Gästeprogramm für international führende Forschende.

MESA und das erweiterte PRISMAplus-Detektorlabor bilden die Grundlage für ein breites Forschungs- und Ausbildungsprogramm in Beschleunigerphysik und Hardware-Entwicklung. Alle Maßnahmen im Bereich Graduiertenausbildung und Nach-wuchsförderung werden unter dem Dach der Mainzer Physik-Akademie zusammengefasst.

Im Cluster arbeiten renommierte Forschergruppen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz aus den Gebieten der experimentellen und theoretischen Astroteilchen-, Beschleuniger-, Hochenergie- und Hadronenphysik, Kern- und Teilchenphysik, Mathematischen Physik, Kernchemie sowie der Präzisionsphysik mit ultrakalten Neutronen zusammen. Sie kooperieren eng mit dem Helmholtz-Institut Mainz (HIM). Die Gutachterinnen und Gutachter bescheinigen dem Exzellenzcluster erstklassige physikalische Grundlagenforschung zu leisten und das Standartmodell der Physik auf vielfältige und originelle Art und Weise zu testen. Das Forschungsprogramm sei von außergewöhnlicher Qualität. Alle notwendigen Rahmenbedingungen seien vorhanden, einen bedeutenden wissenschaftlichen Durchbruch in der Physik zu erzielen.

„Die Mainzer Forscherinnen und Forscher haben in den letzten Jahren mit viel Kreativität und in gemeinsamer Kraftanstrengung herausragende Forschungsergebnisse geliefert. Sie haben für die kommenden Jahre beispiellose Konzepte entwickelt, deren forschungsstrategische Qualität nun auf höchster Ebene bescheinigt wurde. Dank der finanziellen Mittel der Exzellenzstrategie, die das Land Rheinland-Pfalz selbstverständlich mitträgt, ist die Johannes Gutenberg-Universität in diesem international bedeutenden Forschungsfeld hervorragend für die Zukunft aufgestellt und in der Lage, ihre Kompetenzen weiter zu festigen und international noch sichtbarer zu machen“, so Prof. Dr. Konrad Wolf.

Die heutige Entscheidung ergänze auf herausragende Weise die höchst erfolgreiche Entwicklung der Universität in der jüngsten Zeit: Beispielhaft genannt sei, das die JGU heute an neun Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft maßgeblich beteiligt ist. Alleine in den letzten drei Jahren hat sie vier davon neu eingeworben. In den Naturwissenschaften nimmt sie im Förderatlas 2018 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bundesweit Platz 1 sowohl in den Naturwissenschaften als auch in der Förderung im Fachgebiet Physik ein, das spreche für die bemerkenswerte Leistungsbilanz der Universität Mainz, so der Minister. „Dazu hat auch das Land seinen Beitrag geleistet: Im Rahmen der Forschungsinitiative, sind alleine der JGU in den letzten zehn Jahren insgesamt rund 100 Millionen Euro zusätzlich zur Grundversorgung zum Ausbau ihres Forschungsprofils zur Verfügung gestellt worden. So hat das Land dazu beitragen, dass die Universität für den internationalen Wettbewerb um Spitzenpersonal, Nachwuchskräfte und Fördermittel gut gerüstet ist“, betont Minister Prof. Dr. Wolf.