Unterrichtsversorgung bleibt auf hohem Niveau

Die Unterrichtsversorgung konnte im Schuljahr 2015/2016 zum zweiten Mal in Folge verbessert werden. Mit einem Versorgungsgrad von durchschnittlich 98,6 Prozent können die allgemeinbildenden Schulen sowohl den Pflichtunterricht abdecken als auch vielfältige Förder- und Differenzierungsangebote anbieten. Beides zusammengenommen ist in Rheinland-Pfalz – anders als in anderen Bundesländern – die Messlatte für die Berechnung der 100-Prozent-Marke.

„Mit einer guten Unterrichtsversorgung und kleinen Klassen verfügen die Schulen in Rheinland-Pfalz im laufenden Schuljahr über sehr gute Rahmenbedingungen für ihre pädagogische Arbeit“, betonte Bildungsministerin Vera Reiß heute in Mainz. Im vergangenen Schuljahr lag der Wert für die strukturelle Unterrichtsversorgung in den allgemeinbildenden Schulen bei 98,4 Prozent.

In allen Schularten ist die strukturelle Unterrichtsversorgung im laufenden Jahr mindestens genauso gut wie im vergangenen Schuljahr oder besser. Die deutlichste Verbesserung (plus 0,8 Prozentpunkte) melden dabei die Realschulen plus, die mit einem Versorgungsgrad von 98,9 Prozent den besten Wert seit dem Start dieser Schulart im Jahr 2009 aufweisen. „Es ist uns besonders wichtig, die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler in dieser Schulart durch eine gute Personalausstattung zu unterstützen, weil hier ein besonders großer Anteil der Integrationsarbeit in unseren Schulen geleistet wird“, hielt die Bildungsministerin fest. Dank gezielter Anstrengungen habe sich erfreulicherweise aber auch die Unterrichtsversorgung in den Gymnasien erneut verbessert, die jetzt mit einem Versorgungsgrad von 98,7 Prozent den höchsten Wert seit 1993 erreichen. In den Grundschulen (99,2 Prozent) und in den Integrierten Gesamtschulen (98,2 Prozent) bleibt die strukturelle Unterrichtsversorgung auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Die Unterrichtsversorgung in den Förderschulen lag zum Statistikstichtag bei 96,9 Prozent. Zum Stichtag im Vorjahr hatte sie bei 96,8 Prozent gelegen. Da der regionale Bedarf in den Förderschulen nicht mit den vorliegenden Bewerbungen gedeckt werden konnte, Ende Januar aber ein Ausbildungszyklus für angehende Förderschullehrkräfte in zwei Studienseminaren endet, wurden bewusst Planstellen für die Besetzung zum 1. Februar freigehalten. Damit verbessert sich der Versorgungsgrad der Förderschulen auf 97,5 Prozent.

Gute Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit in den Schulen würden auch durch die Klassengrößen geschaffen, unterstrich Vera Reiß. Diese liegen deutlich unter den jeweiligen Maximalwerten der Klassenmesszahlen. So liege in den Grundschulen beispielsweise, in denen die Klassenmesszahl in Rheinland-Pfalz mit 24 Schülerinnen und Schülern bundesweit ohnehin mit am niedrigsten ist, die tatsächliche Klassengröße im Durchschnitt bei 18,4 Kindern.

Nach den vorläufigen Ergebnissen der Schulstatistik sei die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den allgemeinbildenden Schulen im Jahresvergleich auch im laufenden Schuljahr weiter gesunken – um rund 2.700 Kinder und Jugendliche auf knapp 417.500, so die Ministerin. Diese Tendenz zeige sich vor allem für die weiterführenden Schulen. Eine Ausnahme seien dabei die Integrierten Gesamtschulen, da sich viele Schulen dieser Schulart noch im Aufbau befinden und daher jedes Jahr eine neue Klassenstufe hinzubekommen. Die Zahl der Grundschülerinnen und Grundschüler sei trotz rückläufiger Einschulungszahlen – ganz offensichtlich auf Grund eines hohen Zuzugs – im laufenden Schuljahr um gut 1.100 angestiegen.

Großer Einstellungskorridor für Lehrerinnen und Lehrer

„Entscheidend für die gute Personalversorgung unserer Schulen ist, dass das Land auch in diesem Schuljahr einen großen Einstellungskorridor offen gehalten hat. Wie schon im vergangenen Schuljahr haben mehr als 1.200 junge Lehrkräfte eine feste Planstelle im rheinland-pfälzischen Schuldienst bekommen“, betonte die Bildungsministerin. Von den insgesamt für das neue Schuljahr eingestellten 1.277 Lehrerinnen und Lehrern seien dabei 630 unmittelbar davor mit einem Vertretungsvertrag in den Schulen beschäftigt gewesen. In der Personalplanung seien 430 Vollzeitstellen mehr bereitgestellt und besetzt worden als geplant, 240 davon wurden neu geschaffen. Für das Jahr 2016 seien im Haushaltsentwurf der Landesregierung 314 neue Stellen für die Einstellung von jungen Lehrkräften eingeplant.

Intensive Sprachförderung für neu ankommende Schülerinnen und Schüler

„Neben einem guten Unterrichtsangebot für alle Schülerinnen und Schüler bieten unsere Schulen eine breite Unterstützung für all diejenigen Kinder und Jugendlichen, die erst kürzlich im Land angekommen sind und kaum oder gar nicht Deutsch sprechen“, fasste die Bildungsministerin die Ergebnisse einer Sonderauswertung zum Stand der Sprachförderung zusammen.

Die Schulen bieten 297 Deutsch-Intensivkurse mit einem Umfang von mindestens 10 und bis zu 20 Wochenstunden an, die von 4.160 Schülerinnen und Schülern besucht werden. Kurz nach Schuljahresbeginn lag die Zahl noch bei 235 Intensivkursen.

  • Von den Schülerinnen und Schülern in den allgemeinbildenden Schulen sind knapp 3.100 mit sehr geringen oder ohne Deutschkenntnisse zwischen Anfang Januar und Ende September dieses Jahres nach Deutschland gekommen. Im gesamten Kalenderjahr 2014 waren 2.600 dieser Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland zugezogen.
  • Insgesamt besuchen 72.400 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund die allgemeinbildenden Schulen. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtschülerschaft von 17 Prozent. Unter den Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund haben nach Angaben der Schulen rund 12.300 Kinder und Jugendliche unzureichende Deutschkenntnisse.
  • Von der Deutsch-Sprachförderung in den Schulen profitieren neben Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auch Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf aus deutschen Familien. Insgesamt kommen die Deutsch-Förderangebote fast 16.500 Schülerinnen und Schüler zugute.
  • Die in den Schulen dafür eingesetzten Lehrerwochenstunden entsprechen umgerechnet rund 400 Vollzeitstellen.

„Wir werden die Entwicklung beim Zuzug von Kindern und Jugendlichen mit fremder Muttersprache weiterhin aufmerksam beobachten und auf Veränderungen wie bisher schnell und flexibel reagieren“, betonte Vera Reiß. So habe man seit Schuljahresbeginn die Zahl der Deutsch-Intensivkurse um nahezu 70 erhöht.

Das Fazit der Bildungsministerin: „Die neu zu uns kommenden Kinder und Jugendlichen erhalten eine intensive Deutsch-Förderung und auch andere Schülerinnen und Schüler mit Nachholbedarf in Deutsch werden wirkungsvoll unterstützt. Eine vorausschauende Personalplanung stellt darüber hinaus sicher, dass alle Schülerinnen und Schüler in den allgemeinbildenden Schulen gute Bedingungen für das Lernen und einen erfolgreichen Bildungsweg vorfinden.“

Ergänzende Information:
Die Zahlen zur strukturellen Unterrichtsversorgung der berufsbildenden Schulen werden auf Grund des erst im Herbst beginnenden Ausbildungsjahres später erhoben als die Zahlen für die allgemeinbildenden Schulen. Die Auswertungen liegen daher erst Ende Dezember vor.Die endgültigen Ergebnisse der amtlichen Schulstatistik werden nach derzeitigem Stand im Frühjahr 2016 vom Statistischen Landesamt veröffentlicht.

Mehr Hintergrundinformationen finden sich im Internet unter: www.unterrichtsversorgung.rlp.de