Starke Wissenschaftsregionen als Ziel: Ministerrat stimmt Verselbständigung des Universitätsstandorts Koblenz und Zusammenführung von Landau und der TU Kaiserslautern zu

Der rheinland-pfälzische Ministerrat hat heute dem Vorschlag von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf zugestimmt, den Universitätsstandort Koblenz zu verselbständigen und eine Zusammenführung des Universitätsstandorts Landau mit der Technischen Universität Kaiserslautern anzustreben. Ziel ist es, die Umstrukturierungen bis zum 1. Oktober 2022 vollzogen zu haben. Der Verwaltungsstandort der Universität Koblenz-Landau in Mainz soll bis 2024 nach Koblenz bzw. nach Landau überführt werden, wobei allen derzeit in der Landeshauptstadt tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleichwertige Arbeitsplätze im Landesdienst in Mainz angeboten werden.

„Wir haben in Rheinland-Pfalz sehr leistungsfähige Universitäten, die sich durch vielfältige Angebote und Profile auszeichnen. Ziel ist es, sie weiter zu stärken und sie für die Zukunft gut aufzustellen. Dafür wollen wir starke Hochschulstrukturen schaffen, die dank ihrer Größe und Fächervielfalt national und international konkurrenzfähig sind“, betonte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Wolf. „Wir werden den Universitätsstandort Landau mit der TU Kaiserslautern zusammenführen. Die neue Universität gewinnt an Größe und an fachlicher Vielfalt. Die Entwicklung interdisziplinärer Forschungsfragen und -zusammenhänge und damit verbunden die Möglichkeit zusätzliche Forschungsmittel zu erzielen, sehen wir als klaren Vorteil einer Zusammenführung. Die Verselbstständigung des Universitätsstandortes Koblenz bietet neue Chancen, regionale Themen stärker aufzunehmen, auch durch weitergehende Kooperationen mit der Hochschule Koblenz. Diese neue Organisationsstruktur ist ein Stärkungsprozess, der die Grundlage für eine erfolgreiche Weiterentwicklung legt“, ergänzt Wolf.

Das hohe Studieninteresse und der starke Anstieg der Studierendenzahlen der vergangenen Jahre am Standort Koblenz zeigen die hohe Bedeutung der Universität für die Region. Eine Verselbstständigung der Universität führt zu einer weiteren Stärkung ihrer Sichtbarkeit und einer eigenständigen Profilbildung: Die Forschungsstärke, besonders in der Informatik und in der Mathematik, kann ausgebaut und geschärft werden. Das Studienangebot, insbesondere im Lehramt, bleibt nicht nur erhalten, sondern wird zukünftig weiterentwickelt. Die Stärken in der Lehrerbildung, in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sowie in den Gesellschaftswissenschaften bieten gute Entwicklungsperspektiven für den weiteren Profilbildungsprozess.

„Wir werden die Universität Koblenz als eine Modelluniversität entwickeln, die durch eine starke regionale Vernetzung geprägt ist. Themen werden von gesellschaftlicher Vielfalt über sozio-technische Systeme bis hin zu klassischen naturwissenschaftlich-technischen Fragenstellungen reichen. Mit der Zusammenführung des Standorts Landau mit der TU Kaiserslautern können beide Universitäten aufgrund ihrer komplementären Profile gemeinsam eine neue Universität entwickeln, die mehr ist als die Summe ihrer Teile: In den großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Digitalisierung, Mobilität und Klimawandel müssen Mensch, Gesellschaft, Natur und Technik gemeinsam gedacht werden. Wir begrüßen die Zusage des Ministeriums, die Transformation und den Neuaufbau ebenso wie die Konsolidierung des starken Wachstums der vergangenen Jahre zu unterstützen. Das Land muss nun die rechtlichen Rahmenbedingungen klären, um den Prozess gut gestalten zu können“, so Professorin Dr. May-Britt Kallenrode, Präsidentin der Universität Koblenz-Landau. 

Der Universitätsstandort Landau kann auf eine gute Entwicklung in den vergangenen Jahren zurückblicken. Die Studierendenzahlen sind deutlich gestiegen. Unabhängig vom Universitätsstandort Koblenz hat sich Landau weiterentwickelt und eigene Schwerpunkte ausgebildet. Die in den letzten Jahren entstandenen Forschungsschwerpunkte der Technischen Universität Kaiserslautern sind national und international anerkannt. Die Zusammenführung von Landau und Kaiserslautern eröffnet neue Entwicklungsperspektiven und stärkt den Studien- und Forschungsstandort im Süden von Rheinland-Pfalz. Als dann zweitgrößte Universität im Land bilden Kaiserslautern und Landau eine Universität die ihrer Größe und Struktur vergleichbar ist mit den großen technischen Universitäten in Deutschland.

„Unser Ziel ist es, die Stärken beider Standorte und die Chancen aus den entstehenden Synergien herauszuarbeiten. Besonders wichtig ist uns, dass Herr Minister Wolf uns zugesichert hat, die TUK und ihre Gremien an einem strukturierten Prozess zu beteiligen und unsere Bedenken ernst zu nehmen. Der Minister hat weiterhin zugesichert, die Forschungsstärke der TUK weiter zu fördern und ausreichend Finanzmittel zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Anknüpfungspunkte sehen wir beispielsweise im Bereich der kognitiven Wissenschaften in Verbindung mit unserer Expertise in Künstlicher Intelligenz sowie in einer Gesamtperspektive für die Lehramtsausbildung des Landes Rheinland-Pfalz. Auch können wir uns Effekte aus der Verbindung der Umweltwissenschaften in Landau mit Fachgebieten hier in Kaiserslautern vorstellen“, so Prof. Dr. Helmut Schmidt, Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern.

„Die Universität Koblenz-Landau und die Technische Universität Kaiserslautern haben sich bereits in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Wir als Expertenkommission haben mit der Vorlage unseres Berichts allerdings auch auf die großen Potenziale hingewiesen, die insbesondere in der Kooperation zwischen Landau und Kaiserslautern und innerhalb der Region Koblenz liegen. Die Landesregierung hat den Mut bewiesen, die große Herausforderung einer Strukturreform anzugehen, um diese Potenziale zu heben. Ich halte das für richtig und notwendig. Der Universitätsstandort Koblenz kann nach der erfolgreichen und eigenständigen Entwicklung der letzten Jahre die vorhandenen regionalen Potenziale noch besser nutzen. Der Zusammenschluss von Landau und Kaiserslautern schafft neue Entwicklungspotenziale für beide Partner, die gemeinsam deutlich gewinnen können“, erläutert Prof. Dr. Holger Burckhart, ehemaliger Vorsitzender der vom Wissenschaftsministerium eingesetzten Expertenkommission zum Hochschulzukunftsprogramm.

„Das Wissenschaftsministerium wird die Universitäten im gesamten Prozess unterstützen und insbesondere beim Umbau der Verwaltungsstrukturen eng begleiten. Wir stehen vor einem herausfordernden Prozess. Lassen Sie uns nach vorne blicken und langfristig und groß denken. Ich freue mich auf diesen Prozess, den ich gemeinsam mit den Professorinnen und Professoren und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Studierenden gestalten will“, unterstrich Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf.

Hintergrund zum Hochschulzukunftsprogramm

Das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MWWK) strebt eine Stärkung der rheinland-pfälzischen Wissenschaftslandschaft an. Dazu hatte es 2017 eine unabhängige Expertenkommission beauftragt, die Potenziale und Chancen des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Rheinland-Pfalz zu begutachten und zu bewerten. Im April 2018 hatten die Expertinnen und Experten ihren Bericht vorgelegt, der den bisherigen Kurs der Landesregierung bestätigt und zugleich Anregungen zur Entwicklung des rheinland-pfälzischen Hochschulsystems beinhaltet. Im Zentrum stehen u.a. die regionale Verankerung der Hochschulen, die Attraktivität von Forschung und Lehre - auch im Hinblick auf Exzellenz- und Spitzenforschung, die strategische Steuerung der Hochschulen über Ziel- und Leistungsvereinbarungen, die Förderung kooperativer Promotionen sowie die hochschulübergreifende Digitalisierung.

Darüber hinaus hat die Kommission die derzeitige Struktur der Universität Koblenz-Landau mit mehreren Standorten für eine erfolgsversprechende Entwicklung in Frage gestellt und auf die Kooperationspotenziale der Standorte in der jeweiligen Region, insbesondere in der Hochschulregion Pfalz mit der Technischen Universität Kaiserslautern und im Norden des Landes mit der Hochschule Koblenz hingewiesen.

Weitere Empfehlungen der Expertenkommission, wie z. B. die Einrichtung von Forschungskollegs und die Ausweitung des dualen Studienangebots wurden bereits in die Wege geleitet. Außerdem wird die Duale Hochschule Rheinland-Pfalz zukünftig auch duale Master-Studiengänge anbieten. Grundlage dafür ist die Novellierung des Hochschulgesetzes, das in diesem Jahr auf den Weg gebracht wird.