Land verstärkt Berufs- und Studienorientierung in Schulen

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz verstärkt die Berufs- und Studienorientierung junger Menschen in den Schulen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Bildungsministerin Vera Reiß stellten heute nach der Befassung des Ministerrates zusammen mit der Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz, ein neues, verbindliches Beratungskonzept für alle rund 400 weiterführenden Schulen des Landes vor, das für Realschulen plus, Gymnasien und Integrierte Gesamtschulen gleichermaßen gilt.

Neben den Praktika und weiteren Elementen des Lernens in der Praxis soll es bereits ab der Klassenstufe 8 an einem „Tag der Berufs- und Studienorientierung“ mehr Informationen über Berufs- und Studienwahlmöglichkeiten für alle Schülerinnen und Schüler geben. In den Oberstufen der Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen und an den mit Realschulen plus verbundenen Fachoberschulen werden sie künftig nicht nur über ihre Studienmöglichkeiten informiert, sondern auch über Karrierechancen und Weiterbildungsperspektiven durch eine betriebliche Ausbildung im dualen System. Die Bundesagentur für Arbeit, die Kammern des Landes, Wirtschaftsorganisationen und die Hochschulpräsidenten unterstützen einhellig das neue Beratungskonzept der Landesregierung. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wird die neue Konzeption der Beratungsmaßnahmen wissenschaftlich begleiten.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer betonte: „Die jungen Menschen entscheiden selbstverständlich mit ihren Eltern letzten Endes darüber, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. Doch dazu brauchen sie fundierte Informationen. Rheinland-Pfalz ist nicht nur wegen des demografischen Wandels auf optimal betrieblich ausgebildete wie auch auf studierte Fachkräfte angewiesen. Das neue Beratungskonzept liefert einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs unserer Wirtschaft.“

Bildungsministerin Vera Reiß sagte: „Wir wollen ab dem kommenden Jahr in allen Schulformen ab der 8. Jahrgangsstufe verpflichtend Tage der Berufs- und Studienorientierung organisieren und damit den Schülerinnen und Schülern mehr Fachinformationen aus erster Hand anbieten – in Kooperation mit den Arbeitsagenturen und in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Wirtschaft, den berufsbildenden Schulen, den Hochschulen und natürlich mit den Eltern.“ Bei der Beratung in den gymnasialen Oberstufen gehe es dabei nicht darum, die Chancen eines akademischen Studiums gegen eine betriebliche Ausbildung auszuspielen, betonte die Bildungsministerin weiter: „Wir brauchen in Rheinland-Pfalz beides: Betrieblich bestens ausgebildete Fachkräfte sowie gute Nachwuchs-Akademiker. Die gute Zusammenarbeit zwischen ausbildenden Betrieben und unseren Hochschulen zeigt sich bereits bei den dualen Studiengängen und dem Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte.“

Das sagen Expertinnen und Experten zu dem neuen Konzept

„Wir schaffen nun noch bessere Rahmenbedingungen, um junge Leute dabei zu unterstützen, sich ihrer eigenen Stärken und Interessen bewusst zu werden und die Informationsfülle zu möglichen Berufswegen so zu filtern, dass sie am Ende eine fundierte Entscheidung treffen können“, begrüßt Heidrun Schulz, Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, das neue Beratungskonzept. „Schon bisher hat die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern in Wirtschaft und Politik Berufs- und Studienorientierung angeboten. Die Agenturen für Arbeit sind ganzjährig Ansprechpartnerinnen für Lehrer, Eltern sowie Schüler und Schülerinnen. Trotzdem haben einige junge Menschen ihre Not mit der Berufswahlentscheidung. Nicht wenige wissen kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres noch nicht, welcher Weg für sie der Richtige ist. An dieser Stelle bieten wir eine qualifizierte Orientierung, Rat und Hilfe.“

Unterstützung für das neue Konzept signalisieren auch die Kammern und die Hochschulen. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz, Arne Rössel, betont: „Die rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern begrüßen ausdrücklich die von Seiten des Bildungsministeriums vorgestellte Neuausrichtung der Berufsorientierung an unseren Schulen. Gerade auch die darin enthaltene Verbindlichkeit für die Umsetzung im Unterricht ist der richtige Weg, um Schülerinnen und Schülern den Übergang in den Beruf zu erleichtern. An dieser wichtigen Nahtstelle in den Bildungs- und Berufsbiografien der Jugendlichen ist Unterstützung erforderlich, damit möglichst alle zur Teilhabe am Berufs- und Arbeitsleben befähigt werden. Wir freuen uns darauf, als Wirtschaft unseren verlässlichen Beitrag zur Karriereplanung unserer Kinder im Rahmen der Berufsorientierung zu leisten".

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Handwerkskammern und Präsident der Handwerkskammer Koblenz, Kurt Krautscheid, unterstreicht: „Erstaunliche Karrierewege gibt es in der beruflichen Welt des Handwerks in großer Vielfalt. Die Bemühungen der Landesregierung diese erkennbar zu machen, eröffnen den Schülerinnen und Schülern zahlreiche Perspektiven neben der akademischen Ausbildung. Das frühzeitige Begleiten junger Menschen bei der Orientierung zur späteren Berufswahl ist von großer Bedeutung. Die Initiative des Bildungsministeriums ist daher zu begrüßen.“

Der Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz (LHPK) und Präsident der Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Roman Heiligenthal, hält fest: „Den Hochschulen im Land ist es sehr wichtig, dass Studieninteressierte möglichst gut bei der Auswahl ihres Studienfaches beraten werden. Die LHPK unterstützt deshalb das Projekt der Landesregierung, mit dem die Studienorientierung verbessert werden soll. Diese Initiative kann auch dazu beitragen, die Zahl der Studienabbrüche zu verringern. Die Hochschulen des Landes werden sich auch weiterhin bei der intensiven Beratung von Schülerinnen und Schülern engagieren."

Neue Akzente in Oberstufen – Berufsforscher begleiten das Projekt

Mit der verbindlichen Einbeziehung der Oberstufen in Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen bei der Information über die verschiedenen Berufswahlmöglichkeiten der jungen Menschen geht Rheinland-Pfalz im Vergleich der 16 Bundesländer weit voran. Insbesondere diesem Bereich gilt auch die wissenschaftliche Begleitung durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Dessen Präsident, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, lobt den neuen Ansatz in Rheinland-Pfalz und unterstreicht: „Gerade mit Blick auf den einseitigen Bildungstrend hin zu den Hochschulen ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden, dass gerade Schülerinnen und Schüler an Gymnasien eine systematische Studien- und Berufsorientierung benötigen. Bisher kommt aber in den existierenden Modellen die Praxis in der Berufsorientierung zu kurz. So muss beispielsweise mehr Zeit für Aufenthalte in den Betrieben eingeräumt werden. Insbesondere hinsichtlich der Ausgestaltung vor Ort möchte das Bundesinstitut für Berufsbildung im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes neue Erkenntnisse gewinnen.“

Breite Unterstützung für die Schulen

Das neue Konzept soll für die Lehrerinnen und Lehrer des Landes keine zusätzlichen Arbeitsbelastungen mit sich bringen, sagte Bildungsministerin Reiß: „Wir brauchen aber ihre inhaltliche und ihre ideelle Unterstützung. Sie müssen schließlich die Türen der Schulen öffnen für die Expertinnen und Experten unserer Partner.“ Die organisatorische Steuerung des landesweit ersten „Tages der Berufs- und Studienorientierung“ im kommenden Frühjahr werde das Ministerium übernehmen, das dabei insbesondere die Schulen bei der Vermittlung der Fachleute unterstütze.

Der „Tag der Berufs- und Studienorientierung“ ist in die Berufsorientierungskonzepte der jeweiligen Schulen eingebettet und soll im Unterricht sowohl vor- als auch nachbereitet werden. Die Schulen erhalten hierfür zusätzliche Unterstützungsangebote sowohl personell durch ein 20-köpfiges Beraterteam als auch durch Materialien und Best-Practice-Beispiele. Zur Optimierung der Entscheidungskompetenzen von Schülerinnen und Schülern soll künftig außerdem eine wissenschaftlich fundierte Potenzialanalyse dienen, die ihnen ihre Stärken und Entwicklungspotenziale aufzeigt, und die in den Schulen eingesetzt werden soll. Ebenfalls in der Entwicklung ist eine Smartphone-App, die Schülerinnen und Schüler adressatengerecht ansprechen soll und den Jugendlichen einen Interessencheck ermöglicht. Individuell sollen sie damit die eigenen Neigungen und Fähigkeiten, Stärken und Entwicklungspotenziale unter die Lupe nehmen und sich damit auseinandersetzen. Außerdem weist die App den Schülerinnen und Schülern ganz praktisch den Weg zu allen relevanten Beratungs- und Informationsstellen im Land. Begleitet wird die Neuausrichtung der Berufs- und Studienorientierung von einer Informationskampagne für alle an Schule Beteiligten.