Konsequenzen aus aktueller Entwicklung der Schülerzahlen - Absenkung der Klassengröße wird ausgesetzt

Die Schülerzahlen im Land gehen insgesamt weiter zurück, aber bei weitem nicht so stark wie am Anfang der Legislaturperiode nach den damals vorliegenden statistischen Kennzahlen zu erwarten war. Diese Tendenz wird sich voraussichtlich auch in den kommenden Schuljahren fortsetzen. Deshalb wird auch der prognostizierte Rückgang der Klassenzahlen an den weiterführenden Schulen geringer ausfallen als zum Beispiel im Gutachten von Professor Klaus Klemm von 2012 zur Entwicklung des Lehrkräftebedarfs bis zum Schuljahr 2016/2017 angenommen. Der Stufenplan der Landesregierung zur Senkung der maximalen Klassengröße (Klassenmesszahl) basiert jedoch auf der Annahme, dass eine Absenkung der Klassenmesszahl in den weiterführenden Schulen wegen eines gleichzeitigen Schülerrückgangs nicht zu zusätzlichen Klassen und damit zu zusätzlichem Raumbedarf führt. Diese Annahme wird so nicht mehr eintreffen.

Daher hat die Landesregierung beschlossen, den nächsten Schritt zur Absenkung der Klassenmesszahl in der Orientierungsstufe der Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen vorerst auszusetzen. Das heißt: Die Klassenmesszahl in der Orientierungsstufe bleibt bei 28 Schülerinnen und Schülern und gehört damit zu den niedrigsten Richtwerten im Vergleich aller Bundesländer. „Dieser Schritt ist angesichts der aktuellen Entwicklungen der Schülerzahlen notwendig und pädagogisch verantwortbar. Da ab Ende Januar die Anmeldetermine in den weiterführenden Schulen für das kommende Schuljahr anstehen, müssen die Schulleitungen jetzt wissen, wie viele Schülerinnen und Schüler in den Eingangsklassen aufgenommen werden können. Die 200 Lehrerstellen, die im Konzept des Stufenplans für die weitere Absenkung der Klassenmesszahl in der Orientierungsstufe veranschlagt wurden, kommen in vollem Umfang einer weiteren Verbesserung der strukturellen Unterrichtsversorgung zu Gute“, sagte Vera Reiß.

In dem Stufenplan zur Absenkung der Klassenmesszahlen wurden seit dem Schuljahr 2011/2012 die maximalen Klassengrößen in den Grundschulen schrittweise von ehemals 30 Schülerinnen und Schüler pro Klasse auf 24 Schülerinnen und Schüler abgesenkt. Seit dem laufenden Schuljahr gilt diese Zahl für alle Klassenstufen der Grundschule als Obergrenze. Damit wurden Grundschulstandorte im ländlichen Raum gesichert, gleichzeitig sank die durchschnittliche Klassengröße in den Grundschuljahrgängen von 20,5 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2010/2011 auf aktuell 18,3 Schülerinnen und Schüler. In den Realschulen plus ist in der Orientierungsstufe – also den Klassenstufen 5 und 6 – die Klassenmesszahl seit der Schulstrukturreform im Jahr 2009 auf 25 Schülerinnen und Schüler pro Klasse festgesetzt.

Die Klassenmesszahl für die Orientierungsstufe von Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen (IGS) wurde in den vergangenen beiden Schuljahren von 30 auf 28 Schülerinnen und Schüler abgesenkt. Der für die beiden kommenden Schuljahre vorgesehene Schritt, zunächst für die fünfte und dann für die sechste Klassenstufe die Klassenmesszahl auf 25 Schülerinnen und Schüler zu reduzieren, wird nun vorerst ausgesetzt. Insgesamt wurden für die Umsetzung des Stufenplans zur Absenkung der Klassenmesszahlen bislang mehr als 1.000 Vollzeitstellen eingesetzt. Das habe auch dazu geführt, dass die durchschnittliche Klassengröße in der Sekundarstufe I der Gymnasien in den vergangenen vier Jahren von 26,9 Schülerinnen und Schüler auf 25,9 Schülerinnen und Schüler zurückgegangen sei. In der Integrierten Gesamtschule habe eine Durchschnittsklasse der Sekundarstufe I nach wie vor weniger als 27 Schülerinnen und Schüler.

Die Bildungsministerin erinnerte daran, dass im aktuellen Schuljahr die Differenz zwischen Prognose und tatsächlicher Entwicklung in den allgemeinbildenden Schulen bei rund 4.000 Schülerinnen und Schülern liege. Eine Ursache für diese Entwicklung sei ein unerwartet starker Zuzug nach Deutschland – und nach Rheinland-Pfalz. Zudem strebten Schülerinnen und Schüler – auch in Folge der vermehrten Chancen durch die Schulstrukturreform – häufiger einen höheren Schulabschluss an und besuchten die Schule länger als früher. Gleichzeitig verlaufe die Bevölkerungsentwicklung in Ballungsräumen und ländlichen Gebieten unterschiedlich. In den ländlichen Regionen sei ein starker Rückgang bei der Bevölkerung und bei den Schülerzahlen zu verzeichnen. Anders sei die Lage in den Großstädten und den sie umgebenden Landkreisen sowie in einigen Mittelzentren. Dort, wo schon jetzt viele Schulen an räumliche Kapazitätsgrenzen stoßen, bleiben die Schülerzahlen stabil oder steigen sogar. Das bedeutet: Würde man die Klassenmesszahl weiter absenken, entstünde dort ein hoher Raumbedarf, der zu Baumaßnahmen der Schulträger führen würde.

„Gute Rahmenbedingungen in den Schulen und ein leistungsstarkes Bildungsangebot zu sichern, ist und bleibt das zentrale Anliegen unserer Bildungspolitik. Die Leistungsfähigkeit unserer weiterführenden Schulen – und insbesondere der Gymnasien – ist bei Leistungsvergleichen zwischen den Bundesländern eindrucksvoll bestätigt worden. Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass in unserem Land Chancengleichheit und Leistungsstärke zwei Seiten einer Medaille bleiben“, sagte Bildungsministerin Reiß abschließend. Von den neuen Planungsgrundlagen für die Schulen wurden die kommunalen Spitzenverbände, die Lehrerverbände und -gewerkschaften sowie die Vertretungen der Eltern- und der Schülerschaft auf Landesebene bereits informiert. Alle betroffenen Schulen sowie der Bildungsausschuss des Landtags werden am heutigen Tag in Kenntnis gesetzt.