Innovationen in Mathematik und Informatik in Kaiserslautern

Mit einem neuen „Innovationszentrum“ in Kaiserslautern werden die Kompetenzen der Technischen Universität (TU) und der beiden Fraunhofer-Institute für Experimentelles Software Engineering (IESE) und für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in der angewandten Mathematik und Informatik gebündelt. Dadurch wird es noch leichter sein, hochwertige Entwicklungsaufträge aus der Wirtschaft zu bearbeiten und Mittel für herausragende Forschungsvorhaben einzuwerben. Kaiserslautern wird damit auch noch attraktiver für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit innovativen Zukunftsfragen befassen, die nur durch Mathematik und Informatik beantwortet werden können. Michael Ebling, Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, und Professor Ulrich Buller, Forschungsvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, haben heute das neue Zentrum eröffnet. Land und Fraunhofer-Gesellschaft fördern das zunächst auf vier Jahre angelegte Vorhaben mit jeweils 6,4 Millionen Euro.

Das Innovationszentrum ist eine neuartige Kooperation zwischen der Technischen Universität und den Fraunhofer-Instituten. „Komplexe Fragestellungen, wie sie sich in der Mathematik und Informatik insbesondere bei ingenieurwissenschaftlichen Anwendungen ergeben, lassen sich am Besten durch einrichtungsübergreifende Kooperationen lösen. Das Innovationszentrum ist dafür ein ideales Modell“, sagte Ebling, der Wissenschaftsministerin Doris Ahnen vertreten hat. In das neue Zentrum wird auch eine auf dem Campus der TU angesiedelte Fraunhofer-Abteilung integriert. Die Experten arbeiten hier an der Terahertz-Strahlung, die unter anderem in den Körperscannern eingesetzt wird. „Damit sind zum einen alle Fraunhofer-Einrichtungen unter dem Dach des Innovationszentrums zusammengefasst und zum anderen ist eine fachliche Integration der universitären Grundlagenforschung in die optischen Technologien gelungen“, betonte Ebling.

Für Professor Ulrich Buller steht ein rascher Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis im Vordergrund. Insgesamt sind Drittmitteleinnahmen aus Projekten und Industrieaufträgen von rund 3 Millionen Euro geplant. „Von dieser interdisziplinären Zusammenarbeit profitieren vor allem die Unternehmen. Sie können das gebündelte Know-how der Kooperationspartner nutzen, um neue Ideen schneller in Produkte umzusetzen“, so Buller.

Kaiserslautern ist für das Land und für die Fraunhofer-Gesellschaft eine Erfolgsgeschichte. Die Leistungen der beiden Fraunhofer-Institute ITWM und IESE, die beim Wettbewerb „Deutschland - Land der Ideen“ bereits zweimal ausgezeichnet wurden, sind herausragend. Durch beide Institute zusammen sind zudem knapp 650 meist hochqualifizierte Arbeitsplätze in Kaiserslautern entstanden. Die aktuellen Erfolge bei dem bundesweiten Spitzencluster-Wettbewerb sind ein weiterer Beweis hierfür. Der Standort ist mit seinen beiden Hochschulen und den sieben außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein wissenschaftliches Zentrum in Rheinland-Pfalz. Die wissenschaftlichen Einrichtungen in Kaiserslautern bieten nicht nur wissenschaftliche Dienstleistungen, Problemlösungen und akademische Weiterbildung an, sondern sind Keimzelle für Existenzgründungen im Bereich der Hoch- und Spitzentechnologie.

Wie attraktiv die Region für zahlreiche Branchen ist, zeigt beispielsweise die Nutzfahrzeugtechnologie. Dr. Thomas Engel, Geschäftsführer von John Deere AMS, wird erneut in seiner Entscheidung für den Forschungsstandort Kaiserslautern bestärkt. „Das Konzept des Innovationszentrums fördert die ohnehin schon gute Verknüpfung von angewandter Forschung und Grundlagenforschung und stellt ein attraktives Kooperationsangebot für unser Unternehmen dar", unterstrich Engel.

Die Bedeutung des Innovationszentrums für Unternehmen, die mit eingebetteten Softwaresystemen arbeiten, stellt Reinhold Achatz heraus, Leiter Corporate Research and Technologies bei Siemens. „Für viele Unternehmen ist das Innovationszentrum ein attraktives Angebot hinsichtlich Forschung und Entwicklung. Durch diese neue Brücke zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung kann die notwendige Beschleunigung bei der Entwicklung von Innovationen erreicht werden“, so Achatz.

Johannes Heger, Geschäftsführender Gesellschafter der HegerGuss GmbH aus Enkenbach-Alsenborn, begrüßt die Bündelung der Aktivitäten im neuen Innovationszentrum. „Als Gießerei mit Standort in Deutschland verkaufen wir mit jedem Gussteil auch Ingenieurleistung. Das ist unser Erfolgskriterium im weltweiten Wettbewerb. Das Denken der Ingenieure ist Mathematik, die dazugehörige Sprache die Informatik. Das Auge und unser Verstand brauchen die Visualisierung und den schnellen abgesicherten Erfolg durch Simulation.“, so Heger. Er hofft, dass sich „die Leistung der Wissenschaft zuerst als Erfolg eines mittelständischen Unternehmens zeigen wird und dann sichere Arbeitsplätze im Produktionsbereich garantieren kann“.

Der Staatssekretär unterstreicht die Bedeutung der Wissenschaft für die Region. „Die Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Kaiserslautern zeigt, dass Investitionen in Forschung und Lehre Zukunftsinvestitionen sind. Die Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstitute erbringen einen unverzichtbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Leistungskraft und vor allem zur Sicherung und Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze“, betont Ebling.