Hambacher Schloss - Symbol europäischer Demokratiegeschichte

Das Hambacher Schloss wurde von der Europäischen Kommission zum Europäischen Kulturerbe ernannt. Dabei ist die Kommission der Empfehlung einer europäischen Jury gefolgt, die von 36 im Bewerbungsdurchgang 2014 eingereichten Bewerbungen aus 18 europäischen Staaten 16 Stätten für das Kulturerbe-Siegel der Europäischen Union vorgeschlagen hatte, darunter neben dem „Hambacher Schloss“ in Deutschland auch die „Stätten des Westfälischen Friedens“.

„Das Hambacher Schloss befindet sich im Herzen Europas – nicht nur geografisch.  Es verkörpert das Streben nach Demokratie und den europäischen Gedanken auf einzigartige Weise. Hier wird für alle Generationen unser geschichtliches und kulturelles Erbe erfahrbar. Gleichzeitig hat sich das Hambacher Schloss als zeitgenössische Begegnungsstätte für kulturelle und politische Veranstaltungen etabliert und wird als solches von immer mehr Menschen aus der ganzen Welt entdeckt. Ich freue mich, dass die Europäische Kommission das Schloss als würdige Europäische Kulturerbe-Stätte und damit seine Bedeutung für die Demokratie und ein vereintes und friedliches Europa anerkennt“, so Kulturministerin Vera Reiß. Der Vorsitzende der Stiftung Hambacher Schloss, Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, fügte hinzu: „Mit dieser Auszeichnung ist die große Chance verbunden, durch das entstehende Netzwerk mit anderen ausgezeichneten europäischen Stätten, gemeinsame Projekte zu entwickeln. Gleichzeitig kann das Hambacher Schloss seinen Bekanntheitsgrad über Deutschland hinaus weiter steigern.“

Ulrike Dittrich, Geschäftsführerin und Schlossmanagerin des Hambacher Schlosses, unterstrich: „Der Aufbau des Netzwerkes mit den Stätten, die künftig das Europäische Kulturerbe-Siegel tragen, wird vielfältige Möglichkeiten bieten den internationalen Aspekt des Hambacher Schlosses stärker aufleben zu lassen und in unser Kulturprogramm einfließen zu lassen. Auf diese Arbeit freue ich mich ganz besonders.“

Besonders von der Jury gewürdigt wurden die zahlreichen digitalen, interaktiven und netzbasierten Aktivitäten für die Besucherinnen und Besucher des Hambacher Schlosses, sowie die Mehrsprachigkeit der Informationsangebote und deren gezielte Aufbereitung für Kinder und Jugendliche. Nachdem der Bericht mit den Empfehlungen der Europäischen Jury der Kommission, dem Europäischen Parlament, dem Europäischen Rat und dem Ausschuss der Regionen zur Abstimmung zugeleitet wurde, oblag die finale Entscheidung der Kommission. Die offizielle Siegelverleihung, an der auch Kulturstaatssekretär Walter Schumacher und Schlossmanagerin Ulrike Dittrich teilnehmen werden, findet am 15. April in Brüssel statt.

Das Hambacher Schloss als Schauplatz des Hambacher Festes gilt nicht nur als Wiege der Demokratie in Deutschland, sondern auch als wichtiges Fundament für ein vereintes Europa. Daher versteht es sich nicht nur als nationale, sondern gleichermaßen auch als europäische Begegnungsstätte. Am 27. Mai 1832 feierten fast 30.000 Menschen aus allen Teilen Deutschlands, aus Frankreich und Polen das Hambacher Fest. Dies war die bis dahin größte Veranstaltung in Deutschland, auf der liberale und demokratische Forderungen öffentlich postuliert wurden. Neben den Forderungen nach „Einheit“ und „Freiheit“ wurde auch der Ruf nach einem „conföderierten republikanischen Europa“ laut, gemeinsam postuliert von deutschen, französischen und polnischen Festrednern. 

Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel zeichnet die Kommission erstmals Stätten aus, die symbol- und beispielhaft für die europäische Einigung sowie für die Ideale und die Geschichte Europas und der Europäischen Union stehen. Die Auszeichnung soll, insbesondere unter jungen Menschen das Zugehörigkeitsgefühl zur Europäischen Union stärken, den Stellenwert der nationalen und regionalen Vielfalt erhöhen und den interkulturellen Dialog fördern. Ein Vorläufer des Europäischen Kulturerbe-Siegels existiert bereits seit 2006. In diesem Verfahren wurden sowohl historische Orte wie die Akropolis in Athen oder die Stätten der Reformation ausgezeichnet, aber auch die Schiffswerft von Danzig und museale Geburtshäuser von Verdi und Puccini.