Fahrbare Forschungsstation bringt Landesgeschichte zu den Menschen

Mit der fahrbaren Forschungsstation regioNet-mobil macht sich das Mainzer Institut für Geschichtliche Landeskunde ab Oktober 2009 auf den Weg zu den Menschen im Land, um sie für Landesgeschichte zu begeistern und Bürgerinnen und Bürger an ihre Geschichte heranzuführen. Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, übergab heute das neue Forschungsmobil mit umfangreichen Schulungs- und Präsentationsausstattungen wie Laptops, Kameras oder Scannern, das aus Mitteln des Konjunkturprogramms II mit 70.000 Euro von Bund und Land finanziert wurde. Insgesamt fließen aus dem Konjunkturprogramm neun Millionen Euro in außeruniversitäre Forschungsinstitute.

„Das regioNet-mobil ist Wissenschaft vor Ort im besten Sinne. Die Finanzierung im Rahmen des Konjunkturprogramms ist eine nachhaltige Investition, die viele Menschen unterschiedlicher Altersgruppen im ganzen Land erreichen wird. Mit dem Mobil können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Geschichte im Gepäck auf die Menschen zugehen und mit ihrem bürgernahen Ansatz nicht nur forschen, sondern auf anschauliche Weise auch lehren“, betonte Ministerin Ahnen. „Neben seiner Forschungsfunktion dient das Mobil auch als Schulungszentrum. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen, sie an das Internet heranzuführen, um sie direkt am Entstehungsprozess historischer Online-Inhalte beteiligen zu können. Umgekehrt erreichen wir auch jüngere Menschen, die zwar multimedial geschult sind, aber an historische Themen erst noch herangeführt werden müssen“, so Ministerin Ahnen.
Die Tätigkeiten des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz (IGL) lassen sich am treffendsten mit den drei Stichworten Forschen - Vermitteln - Mitmachen umschreiben. Neben historischer Grundlagenforschung ist es ein Hauptziel, Menschen dazu zu ermutigen, ihr kulturelles Wissen in die Forschungsarbeit einzubringen. Auf dem Internetportal regionalgeschichte.net, einer Online-Plattform, die von Geschichtsvereinen und Heimatforschern vor Ort mitgestaltet wird, sind mittlerweile auf über 4000 Seiten Informationen zur Geschichte der Städte und Ortschaften in verschiedenen Regionen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland entstanden.

Doch Geschichte im Internet erreicht bei weitem nicht jeden. So scheuen sich vor allem ältere Menschen oft vor der neuen Technik, obwohl gerade sie enorm viel landesgeschichtliches Wissen beizusteuern haben: „Die älteren Bürgerinnen und Bürger verfügen teilweise über umfangreiche Informationen zur Ortsgeschichte“, weiß der Leiter des Online-Projekts, Dr. Elmar Rettinger. „Historische Fotos, Urkunden, Dokumente, Sammlungen zur regionalen und lokalen Geschichte schlummern unbeachtet in vielen Schubladen und sind nach dem Ableben der Besitzer oftmals für immer verloren“ - wenn sie nicht den Weg in die Wissenschaft finden. Oder eben die Wissenschaft den Weg zu ihnen. So entstand die Idee zum regioNet-mobil, einer fahrbaren Forschungsstation, die es den Historikern erlauben soll, selbst den Kontakt mit den Menschen vor Ort und ihrem kulturhistorischen Wissen herzustellen.

Diese Idee wird nun Wirklichkeit. Wo immer das weiße Auto mit dem regionalgeschichte.net-Logo auftaucht, werden die Mitarbeiter des Instituts historische Dokumente sammeln, mit modernster Technik digitalisieren und die so gewonnenen Erkenntnisse anschließend sowohl im Netz als auch auf traditionellem Wege aufbereiten. Auf diese Weise wird die Vermittlung von Ortsgeschichte auch in Gemeinden auf dem Land getragen. Mit kleinen Ausstellungen im Gepäck werde das Auto nicht zuletzt Präsenz bei regionalen und überregionalen Veranstaltungen zeigen.

Erste Einsatztermine für das regioNet-mobil stehen schon fest: Am 1. Oktober 2009, 20.00 Uhr, wird das Projekt in Alzey vorgestellt. Am 2./3. Oktober 2009, 18.00 - 22.00 Uhr, steht das Mobil dann in St.Goar, wo das IGL die Inschriften der Stiftskirche multimedial präsentiert.