Expertenkommission legt Empfehlungsbericht zur Hochschulentwicklung vor: Hochschulen als innovative Zentren

Die im letzten Jahr eingesetzte Expertenkommission legte heute im Rahmen einer offiziellen Übergabe ihren Empfehlungsbericht der Landesregierung vor. Die 15-köpfige Kommission unter dem Vorsitz des Siegener Rektors und Vizepräsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Holger Burckhart, untersuchte Potenziale und Chancen des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts und formulierte auf dieser Basis Empfehlungen zur Weiterentwicklung der rheinland-pfälzischen Hochschullandschaft.

„Wir haben in Rheinland-Pfalz sehr leistungsfähige Hochschulen, die sich durch vielfältige Angebote und Profile auszeichnen und Impulsgeber in ihren jeweiligen Regionen sind. Insgesamt sind unsere Hochschulen auf einem guten Weg in die Zukunft. Sie leisten hervorragende Arbeit in der Forschung, Studium und Lehre und sind in einigen Bereichen deutschlandweit führend. So sind bspw. die Qualitätssicherung in der Lehre wie auch die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung hierzulande sehr ausgeprägt; das sichert Chancengleichheit und den Fachkräftenachwuchs. Auf diese Besonderheiten und Stärken der rheinland-pfälzischen Hochschullandschaft weist auch die Expertenkommission in ihrem Bericht hin. Viele der bereits eingeschlagenen Wege werden als erfolgreiche Modelle erachtet, die wir weiter verfolgen sollen“, betonte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf. „Wir werden aber auch im Dialog mit den Hochschulen die Bereiche ermitteln, wo wir unsere Potenziale noch besser nutzen können. Besonders aus der starken regionalen Verankerung schöpfen unsere Hochschulen die Kraft für eine international sichtbare Ausrichtung“, so Wolf weiter.

Der Vorsitzende der Expertenkommission, Prof. Dr. Holger Burckhart, unterstrich bei der Überreichung der Empfehlungen an Minister Wolf: „In durchweg offenen, sachbezogenen und konstruktiven Gesprächen mit den Hochschulgremien – den Hochschulleitungen, den Senaten und Fachbereichsleitungen aller elf rheinland-pfälzischen Hochschulen – sowie mit zentralen Interessensvertretungen aus wichtigen Gesellschaftsbereichen wurde der vorliegende Bericht erarbeitet. Zusammenfassend kann gesagt werden: Rheinland-Pfalz verfügt in seinen dezentral orientierten Wissenschaftsregionen Rheinhessen, Pfalz, Trier und Koblenz über ein breites Spektrum an Forschung, Lehre, Innovation und Transfer. Mit teilweise mehreren Standorten übernehmen sie mit besonderen Studienangeboten, innovativen Forschungsprojekten und Wissenstransfer in die Wirtschaft vor Ort eine besondere Rolle für die regionale Weiterentwicklung. Diese regionale Vielfalt sollte erhalten, aber zugleich als Grundlage für eine profilierte internationale Ausrichtung der Hochschullandschaft genutzt werden. Sie bietet Potenzial, fordert aber auch gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten für die Zukunft.“

Der Vorsitzende der Konferenz der Landeshochschulpräsidenten und Präsident der Hochschule Worms, Prof. Dr. Jens Hermsdorf, begrüßte die Veröffentlichung des Empfehlungsbericht: „Die heute vorgelegten Empfehlungen der Expertenkommissionbereichern den kontinuierlichen Strategieprozess jeder einzelnen Hochschule und des Hochschulsystems in Rheinland-Pfalz in Gänze. Das Gutachten hebt dabei insbesondere die Kooperationsbereitschaft sowie den hohen Gestaltungswillen aller Beteiligten hervor. Die Hochschulen sind bereits heute stark vernetzt in ihren Regionen und darüber hinaus natürlich auch national und international in ihren Wissenschaftsdisziplinen. Mit Blick auf das nachgewiesene hohe Niveau im Bereich Studium und Lehre sehen wir für die Themen Internationalisierung wie auch für ergänzende, flexible Studienformate weitere Chancen. Auch sind alle Hochschulen bestrebt, die Übergänge im Bildungssystem so reibungslos wie möglich zu gestalten. Gerade die Hochschulen für angewandte Wissenschaften haben in den letzten Jahren durch den Aufbau dualer Studienangebote stets den wachsenden Bedarf decken können und regelmäßig in diesem Bereich innovative Konzepte erfolgreich etabliert. Diesen Weg werden wir gerade mit Blick auf die Empfehlung der Expertenkommission weiter ausbauen.“

"Der Bericht enthält aus meiner Sicht den Auftrag, die Profilbildung im Land gut voranzubringen und besser zu koordinieren. Das verlangt übergreifende Abstimmungen, aber eben auch strategische Spielräume für und an den Standorten", ergänzt der stellvertretende Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz und Präsident der Universität Trier, Prof. Dr. Michael Jäckel.

Der Bericht beinhaltet auf 58 Seiten umfangreiche Empfehlungen der Expertinnen und Experten zu Entwicklungsperspektiven, die nun seitens des Ministeriums sowie in den Hochschulen selbst genauer analysiert und beraten werden. Im Zentrum stehen u.a. die regionale Verankerung der Hochschulen, die Attraktivität von Forschung und Lehre - auch im Hinblick auf Exzellenz- und Spitzenforschung, die strategische Steuerung der Hochschulen über Ziel- und Leistungsvereinbarungen, die Förderung kooperativer Promotionen sowie die hochschulübergreifende Digitalisierung. 

„Wir werden zukunftsträchtige Spitzenforschung fördern. Mit neuen strategischen Konzepten werden wir die Forschung an Hochschulen national wie international wettbewerbsfähiger machen. Die Forschungsinitiative des Landes wird mit 20 Millionen Euro pro Jahr fortgeführt. Mit dieser Strategie wollen wir eine Steigerung der Drittmitteleinnahmen der Hochschulen von derzeit 235 Millionen Euro auf ein Volumen von rund 300 Millionen Euro erreichen“, stellte Wolf erste Ziele nach Überreichen des Berichtes vor. „Ich will zudem die anwendungsorientierte Forschung der Fachhochschulen in das Promotionsgeschehen einbeziehen und kooperative Promotionen fördern. Noch 2018 werden wir ein Programm ins Leben rufen, das Promotionen, die gemeinsam von Fachhochschulen und Universitäten getragen werden, fördert. In der ersten Förderrunde 2018 werden damit 20 kooperativ Promovierende finanziert. Um die Attraktivität der dualen Studiengänge weiter zu steigern, will ich die Hochschulen dazu gewinnen, neben dualen Bachelorangeboten auch duale Masterangebote anzubieten. Insgesamt werde ich die Hochschulen dabei unterstützen, das Angebot der dualen Studienangebote in den kommenden fünf Jahren von 66 auf ca. 100 Studiengänge zu steigern.“

Zeitnah werde es Gespräche mit den Hochschulpräsidenten geben, mit dem Ziel den Empfehlungsbericht in all seinen Dimensionen zu bewerten und notwendige Schlussfolgerungen zu ziehen, beschrieb der Wissenschaftsminister das weitere Verfahren. Geplant sei eine Rahmenvereinbarung zu den Eckpunkten der künftigen Hochschulentwicklung. 

Abschließend stellte der Wissenschaftsminister fest: „Unsere Hochschulen sind innovative Zentren in Rheinland-Pfalz. Dies wollen wir ausbauen. Dafür haben wir hier ein herausragendes Werk, von dem wir noch lange profitieren können. Der Blick von außen, von unabhängigen, national wie international anerkannten Expertinnen und Experten, ist ein großer Gewinn. Mein ganzer Dank gilt allen, die an diesem Bericht mitgewirkt haben und natürlich ganz besonders dem Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. Burckhart.“

Hochschulzukunftsprogramm Rheinland-Pfalz