„Eduard Zuckmayer – Ein Musiker in der Türkei“: Filmpremiere mit Kulturministerin Vera Reiß und Regisseurin Barbara Trottnow

Das Leben des Pianisten, Dirigenten und Musikpädagogen Eduard Zuckmayer steht im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms, der am kommenden Sonntag im Mainzer Peter-Cornelius-Konservatorium Premiere feiert. Der Film von Barbara Trottnow begibt sich auf die Suche nach den Spuren, die der 1890 im rheinhessischen Nackenheim geborene und vor den Nationalsozialisten in die Türkei geflohene ältere Bruder des Schriftstellers Carl Zuckmayer, dort bis heute hinterlassen hat.

„Der Dokumentarfilm ‚Eduard Zuckmayer – Ein Musiker in der Türkei‘ ist eine Bereicherung in doppelter Hinsicht: er bringt uns das Lebenswerk des bei uns im Vergleich zu seinem Bruder Carl eher wenig beachteten Eduard Zuckmayer näher und beleuchtet gleichzeitig ein Thema, das aktueller und relevanter nicht sein könnte. Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur hat das Filmprojekt gerne mit 50.000 Euro gefördert“, so die Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, Kulturministerin Vera Reiß, die am Sonntag das Grußwort zur Filmpremiere halten wird und weiter: „In einer Zeit, in der das Thema Flucht und Vertreibung uns alle beschäftigt, ruft Barbara Trottnow mit ihrem Film über Eduard Zuckmayer in Erinnerung, dass vor nicht langer Zeit, Menschen aus Deutschland fliehen mussten. Sie wurden von anderen Ländern aufgenommen, haben dort eine neue Heimat gefunden und Spuren hinterlassen, die diese, neue Heimat bis heute bereichert.“

Nachdem Eduard Zuckmayer in Deutschland aufgrund eines Berufsverbots durch das Naziregime seiner Tätigkeit als Pianist, Dirigent und Musikpädagoge nicht mehr nachgehen durfte, floh er 1936 in die Türkei, nach Ankara, ins Exil. Dort baute er auf Wunsch Atatürks die Musikausbildung des Landes aus und erfuhr eine hohe Wertschätzung seiner Arbeit. Auch nach Ende des Krieges entschied sich Eduard Zuckmayer weiterhin in der Türkei zu leben. Bis heute ist er dort ein sehr bekannter Komponist. Zuckmayer starb 1972 in Ankara „seiner zweiten Heimat“, wo er auch beerdigt wurde. 

Barbara Trottnow, die sich dem Thema der Migration und Integration bereits mehrfach in ihren Filmen gewidmet hat, erzählt in dem Dokumentarfilm die Lebensgeschichte des Musikers und beleuchtet gleichzeitig die Lebensumstände des türkischen Exils. Während der Recherche und den Dreharbeiten konnten nicht nur viele bisher unveröffentlichte Fotografien und Briefe gesichtet, sondern unter anderem auch die heute in Deutschland lebende Stieftochter Eduard Zuckmayers, die ihre Kindheit bei ihm in Ankara verbracht hat, ausfindig gemacht werden. In der Türkei traf Barbara Trottnow ehemalige Studentinnen und Studenten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Eduard Zuckmayer, die ihre Erinnerungen bereitwillig teilten. Der Film hat eine Länge von 90 Minuten und wurde sowohl fernsehtauglich als auch für Vorführungen in hoher professioneller digitaler Qualität produziert.

Die Erstaufführung des Dokumentarfilms „Eduard Zuckmayer - Ein Musiker in der Türkei“ findet im Rahmen eines „Zuckmayer-Wochenendes“ statt. Dieses wird als Kooperationsprojekt zwischen der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, dem Peter-Cornelius-Konservatorium, der Villa Musica und der Zuckmayer-Gesellschaft anlässlich des 125. Geburtstages von Eduard Zuckmayer veranstaltet. Bereits am Samstag, 26. September, um 19.00 Uhr, findet zum Themenwochenende im Peter-Cornelius-Konservatorium ein türkisch-deutsches Konzert statt. Der Geiger Cihat Askin und der Cellist Alexander Hülshoff, Künstlerischer Leiter der Villa Musica, spielen mit Freunden Werke von Bach, Hindemith, Webern und türkische Musik in Bearbeitungen von Eduard Zuckmayer. Der Abend wird von einer Lesung über die Gebrüder Zuckmayer und von einem Interview mit dem Zuckmayer-Schüler Ali Ucan begleitet.