Bund und Länder eröffnen wissenschaftlichem Nachwuchs neue Karriereperspektiven und stärken Innovationskraft der Hochschulen

Die gemeinsame Wissenschaftskonferenz hat heute zwei neue Bund-Länder-Programme beschlossen: Das Programm zur „Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ und das Förderprogramm „Innovative Hochschule“. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Professor Konrad Wolf begrüßt diesen zukunftsweisenden Schritt nachdrücklich, über dessen Umsetzung die Regierungschefinnen und Regierungschefs von Bund und Ländern am 16. Juni 2016 endgültig entscheiden werden.

„Mit den gemeinsamen Bund-Länder-Programmen erhöhen wir die Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems. Hervorragende Nachwuchskräfte, die an unseren Universitäten forschen und lehren, erhalten eine klare Perspektive für eine Karriere in der Wissenschaft. Ich bin mir sicher, dass unsere Hochschulen die sich ergebenden Möglichkeiten nutzen werden, um exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu binden und neue aus dem Ausland zu gewinnen. Mit dem Programm ‚Innovative Hochschule‘ können wir die intensive Kooperation und gute Vernetzung unserer Hochschulen mit ihren Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft weiter stärken. Rheinland-Pfalz kann hier an gute Erfahrungen und erfolgreiche Initiativen anknüpfen“, so Wissenschaftsminister Konrad Wolf.

Eine Milliarde Euro für Tenure Track-Professuren 

Mit dem Programm zur „Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ wollen Bund und Länder neue, verlässliche Karriereperspektiven für  junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schaffen und die Karrierewege an Universitäten planbarer und transparenter gestalten. Für das Programm wird eine Milliarde Euro bereitgestellt.

Im Zentrum steht die Etablierung der sogenannten „Tenure Track-Professur“ als eigenständiger Karriereweg an deutschen Universitäten. Rund 1.000 zusätzliche Tenure Track-Professuren sollen bundesweit gefördert werden und die bereits bestehenden Stellen ergänzen. Mit der Tenure Track-Professur erhalten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich früher als bisher eine verlässliche Karriereoption in der Universität. Bereits bei der Berufung werden Leistungsanforderungen für eine sechsjährige Bewährungszeit definiert. Bei positiver Evaluation erfolgt dann die Berufung auf eine unbefristete Professur.

Bis zu 45 zusätzliche Juniorprofessuren mit Tenure Track in Rheinland-Pfalz

Die Universitäten in Kaiserslautern, Koblenz-Landau, Mainz und Trier können bis zu 45 Juniorprofessorinnen beziehungsweise Juniorprofessoren mit Tenure Track neu einstellen. Jede Stelle wird mit rund einer Millionen Euro gefördert, woraus Personalkosten und auch eine angemessene Ausstattung finanziert werden. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Universitäten überzeugende Konzepte entwickeln, um die Tenure Track-Professur in ihre Karriere-, Personal- und Strukturentwicklung zu integrieren, die Karrierewege für den Wissenschaftlichen Nachwuchs insgesamt verlässlicher zu gestalten und gleiche Chancen für Männern und Frauen bei der Karriereentwicklung sicherzustellen. Ein Expertengremium wird die Anträge der Universitäten daraufhin begutachten. 

Dazu erklärt Wissenschaftsminister Konrad Wolf: „Das Programm ist Rückenwind für die rheinland-pfälzische Hochschulpolitik. Bei den Juniorprofessuren gehört Rheinland-Pfalz zur Spitzengruppe der Länder. Außerdem hat das Land bereits im Februar 2015 mit den Universitäten Zielvereinbarungen abgeschlossen, die das Instrument des Tenure Tracks stärken. Mit den zusätzlichen Mitteln aus dem Bund-Länder-Programm werden unsere Hochschulen einen weiteren Schub erhalten und die gemeinsam verabredeten Ziele noch schneller erreichen können.“

Das Programm bezweckt neben der Finanzierung von Tenure Track-Professuren auch einen grundsätzlichen Kulturwandel in der Karriereförderung und eine Weiterentwicklung der Personalstruktur des wissenschaftlichen Personals. 15 Prozent der Mittel, die die Universitäten erhalten, sind für entsprechende Maßnahmen vorgesehen, beispielsweise für eine bessere Karriereberatung beginnend mit der Promotion oder für gezielte Qualifizierungen, die die  Karrierechancen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Wissenschaftssystems verbessern.

Eine weitere Chance des Programms besteht in seiner fördernden Wirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit für das gesamte Wissenschaftssystem. Gerade junge Professorinnen und Professoren setzen Innovationsimpulse, erschließen neue Themenfelder und tragen zur Profilbildung der Universitäten bei. 

„Innovative Hochschulen“ als Zentren regionaler Innovationssysteme

Das Förderprogramm „Innovative Hochschule“ soll deren strategische Kooperation untereinander und mit außerhochschulischen Forschungseinrichtungen, der Wirtschaft und gesellschaftlichen Akteuren stärken. Bund und Länder stellen hierfür bis 2027 rund 550 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Programm setzt auf Maßnahmen, die den individuellen und regionalen Bedarfen der Hochschulen und ihrer Kooperationspartner Rechnung tragen. Das kommt beispielsweise den spezifischen Bedürfnissen kleiner und mittlerer Unternehmen in Fragen der Forschung und Entwicklung zugute und öffnet ein weites Spektrum zum Austausch mit und zur Einbindung von gesellschaftlichen Akteuren wie beispielsweise Museen und Vereinen. 

Neues Programm ergänzt Innovationsstrukturen im Land hervorragend

„Das neue Bund-Länder-Programm ‚Innovative Hochschulen‘ kommt zur richtigen Zeit und lässt positive Wirkungen auf das regionale Innovationssystem und darüber hinaus in die Gesellschaft erwarten. Mit unseren dualen Studiengängen, den vielfältigen und regional spezifisch ausgeprägten Forschungsprofilen unserer Hochschulen und den regionalen Wissens- und Innovationsallianzen haben wir bereits etablierte Strukturen. Daran können unsere Hochschulen anknüpfen und sind deshalb für den bundesweiten Wettbewerb gut aufgestellt“, unterstrich Wissenschaftsminister Konrad Wolf.

Die Regionale Innovationsstrategie des Landes ist darauf gerichtet, die Schaffung neuen Wissens zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen im Land zu stärken. Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werden durch zahlreiche Instrumente und Förderprogramme des Wissenschaftsministeriums unterstützt. Mit der rheinland-pfälzischen Forschungsinitiative wird die Profilbildung der Hochschulen in der Forschung gezielt gefördert und so die Grundlagen- sowie die anwendungsorientierte Forschung gestärkt. 

An allen rheinland-pfälzischen Hochschulen sind darüber hinaus Wissens- und Technologietransferstellen etabliert, die sich im Transfernetz RLP zusammengeschlossen haben. Sie stehen als Ansprechpartner für den Wissenstransfer zur Verfügung. Mit Unterstützung des Landes wurden außerdem an den vier Standorten Mainz, Kaiserslautern, Trier und demnächst Koblenz zudem regionale Wissens- und Innovationsallianzen aufgebaut. In diesen Allianzen haben sich Akteure aus Forschung, Wirtschaft, Gesellschaft und öffentlichen Stellen (z. B. Museen) zusammengeschlossen, um Synergieeffekte zu nutzen und so Forschungskooperationen und die Sichtbarkeit der Standorte voranzutreiben. So werden Spitzenforschung, anwendungsorientierte Forschung, Wissens- und Technologietransfer, Nachwuchskräftegewinnung sowie Cluster und Netzwerke gestärkt.