Bethe-Stiftung fördert Schülerfahrten zu Gedenkstätten in ehemaligen NS-Vernichtungslagern in Polen

Schülerinnen und Schüler aus weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz sollen noch häufiger die Chance erhalten, sich an historischen Originalschauplätzen direkt mit der Zeit des Nationalsozialismus und mit den Folgen seiner rechtsextremistischen Ideologie auseinanderzusetzen. Dieses Ziel verfolgt eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Bethe-Stiftung in Köln, dem von ihr mit der Organisation der Schülerfahrten beauftragten Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) in Dortmund und dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium. Die Vereinbarung unterzeichneten heute in Mainz die Stiftungsmitbegründerin Roswitha Bethe, Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann sowie IBB-Geschäftsführer Peter Junge-Wentrup.

Mit 135.000 Euro pro Jahr will die Bethe-Stiftung in den Jahren 2016 bis 2019 Schülerfahrten in die Gedenkstätten der NS-Konzentrationslager in Polen – vor allem in Auschwitz, Majdanek und Treblinka – unterstützen. Neben einer Grundförderung von bis zu 2.500 Euro pro Fahrt will die Stiftung alle von der jeweiligen Schule eingeworbenen zusätzlichen Unterstützungsmittel verdoppeln. Das Land fördert schon seit Jahren Exkursionen zu Gedenkstätten aus der Zeit des Nationalsozialismus pauschal mit 500 Euro pro Fahrt. Vorgesehen ist, dass rund 20 Exkursionen pro Jahr über das gemeinsame Programm gefördert werden.

„Die Gegenwart führt uns jeden Tag vor Augen, dass wir dieses Kapitel der Geschichte niemals vergessen und verdrängen dürfen“, sagte Roswitha Bethe auch mit Blick auf die die jüngsten Diskussionen um den Zuzug von Flüchtlingen. Die von ihr und ihrem Ehemann 1996 gegründete Stiftung hat sich neben der Unterstützung von Kinderhospizen und von Aktivitäten gegen Kindesmissbrauch die Weitergabe der Erinnerung an die junge Generation zur zentralen Aufgabe gemacht. „Durch großzügige Zuschüsse möchten wir möglichst vielen Jugendlichen Fahrten zu den eindrucksvollen Gedenkstätten ermöglichen“, betonte die Stifterin.

Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann dankte dem Stifterehepaar für sein Engagement, betonte den hohen Stellenwert von Demokratieerziehung sowie der Prävention gegen extremistische Propaganda in den Schulen und sagte: „Wer die Thesen und Methoden rechtsextremistischer Propaganda kennt, kann sich besser dagegen zur Wehr setzen. Daher hat die Prävention insbesondere bei jungen Menschen in der konsequenten Bekämpfung des Rechtsextremismus für die Landesregierung eine sehr hohe Bedeutung. Neben der Thematisierung im Unterricht und vielfältigen schulischen Projekten sowie der gerade in Rheinland-Pfalz besonders gepflegten Einbindung von Zeitzeugenschilderungen sind Fahrten zu den Gedenkstätten des nationalsozialistischen Terrorregimes ein wichtiger Baustein im Präventionskonzept des Landes. Wenn diese Fahrten nach Polen führen, können sie zudem auch ein Beitrag zur Völkerverständigung in Europa sein.“

„Die Reise an einen ehemaligen Vernichtungsort im heutigen Polen bewegt jeden  Besucher nachhaltiger als das beste Geschichtsbuch es jemals könnte“, sagte Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund. „Junge Menschen finden gerade an diesen Erinnerungsorten unschätzbar wichtige Impulse für ein Lernen aus der Geschichte für eine gemeinsame Zukunft in Europa. Fahrten an die Orte dieser unvorstellbaren Verbrechen werden nach unserer Überzeugung künftig eine noch größere Rolle in der Erinnerungsarbeit spielen.“