Berufsbildende Schulen für Zukunft rüsten – Kabinett berät innovative pädagogische und organisatorische Konzepte

„Die berufsbildenden Schulen sind ein Garant für Durchlässigkeit und Aufstiegsorientierung – und diese zwei Säulen, auf denen unser Bildungssystem fußt, werden auch in Zeiten des demografischen Wandels die Richtschnur unseres Handelns sein. Als Partner im weltweit angesehenen dualen System bieten die Berufsschulen eine hervorragende Ausbildung. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs und zur sozialen Gerechtigkeit in unserem Land.“ Dies unterstrich Bildungsministerin Vera Reiß in der heutigen Kabinettsitzung. Der Ministerrat befasste sich mit den Empfehlungen der Expertengruppe zur Weiterentwicklung der berufsbildenden Schulen, die federführend vom Bildungsministerium umgesetzt werden.

Neben dem bereits im Frühjahr angekündigten Ausbau des Schulentwicklungsprojektes „Eigenverantwortung, Qualitätsmanagement und Lehr- und Lernkultur (EQuL)“, das den berufsbildenden Schulen mehr Eigenständigkeit bei der Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwicklung beimisst, auf insgesamt 26 Standorte zum kommenden Schuljahr, stand eine weitere pädagogische und organisatorische Innovation ganz besonders im Vordergrund: der Schulversuch BS 20 (Berufsschule 2020). Im Rahmen des Schulversuchs werden ab dem kommenden Schuljahr pädagogische, organisatorische und technische Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Berufsschulen und zur Sicherung der dualen Ausbildung an neun Modellschulen in Rheinland-Pfalz erprobt. 

Vor dem Hintergrund zurückgehender Schülerzahlen soll durch neu gestaltete Unterrichtskonzepte das Ausbildungsangebot vor allem an kleinen Berufsschulstandorten in der Fläche gesichert werden. Dies wird durch die individuellere Beschulung einzelner Auszubildender ermöglicht. In berufsbezogenem Unterricht können Auszubildende verwandter Berufe gemeinsam unterrichtet werden. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise Nahrungsberufe wie Bäcker, Fleischer und Fachverkäufer in bestimmten Lernfeldern wie Personalführung, Kundenservice, oder Veranstaltungsorganisation zusammen lernen. Zusätzlich werden im Rahmen des Schulversuchs online-Lernsysteme erprobt, die es den Auszubildenden ermöglichen, orts- und zeitunabhängiger zu Lernen. So können sie schulische Inhalte über eine Lernplattform auch von zu Hause oder im Ausbildungsbetrieb erarbeiten oder aber gemeinsam lernortübergreifende Projekte umsetzen.

„Die besondere Stärke dieses Konzeptes liegt darin, Lernprozesse stärker zu individualisieren und zu flexibilisieren. Auszubildende können auf passgenaue Angebote zurückgreifen, die ihren individuellen Lernanforderungen entsprechen“, unterstrich die Bildungsministerin. Diese Neugestaltung des Berufsschulunterrichtes erfordere von allen Beteiligten eine hohe Flexibilität und Offenheit. Es sei daher selbstverständlich, dass die Umsetzung der Neuerungen in enger Abstimmung mit allen beteiligten Partner – der teilnehmenden Schulen, der Kammern und Innungen sowie der Schulträger – geschehe, so Vera Reiß. Die teilnehmenden Modellschulen werden eng von Bildungsministerium und Schulaufsicht begleitet. Basierend auf ihren Erfahrungen wird ein Transferkonzept erstellt, um die gewonnenen Erkenntnisse bezüglich der Gestaltung eines demografiefesten Berufsschulangebotes auf andere Standorte zu übertragen.