Ahnen: Frühe Förderung und Betreuung wird massiv ausgebaut

„Der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren geht im Land mit hohem Tempo voran. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der in den Kindertagesstätten genehmigten Plätze um rund 25 Prozent geklettert. Seit der Einigung von Bund und Ländern auf einen deutlichen Ausbau dieser Angebote mit dem Kinderförderungsgesetz (KiföG) im Jahr 2007 liegt der Anstieg bei rund 60 Prozent und seit dem Startschuss für das Landesprogramm ,Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an' im Jahr 2005 hat sich die Zahl mehr als verdreifacht“, betonte Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen heute in Mainz bei der Vorstellung der neuesten Daten aus der „Kita-Statistik“ des Landes, die Ende August erhoben worden waren.

Im Zusammenhang mit dem KiföG und der Bildung des Bundessondervermögens „für Investitionen in den Betreuungsausbau“ haben Bund und Länder eine Steigerung der Versorgungsquote bei den Angeboten für Kinder unter drei Jahren auf 35 Prozent bundesweit für das Jahr 2013 vereinbart. Mit mehr als 19.900 genehmigten Plätzen für Kinder unter drei Jahren stünden in den Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz aktuell für 20,5 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe Möglichkeiten für eine frühe Förderung und für eine qualifizierte Betreuung zur Verfügung, hielt Doris Ahnen fest. Nach den bundesweiten Maßstäben - dabei werden zu den Plätzen in Krippen, Kindergärten und anderen Kindertagesstätten auch noch die öffentlich vermittelten Tagespflegeplätze hinzugezählt - liege die Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren im Land sogar bei knapp 22 Prozent.
 
Ausbau läuft mit hohem pädagogischem Anspruch

Beim Ausbau der Betreuungsangebote in den Kindertagesstätten setzten die Träger erfreulicherweise auf pädagogisch hochwertige Lösungen, stellte die Ministerin fest. Nicht zuletzt durch die vom Land finanziell unterstützte Personalaufstockung in den Kindergärten bei der geregelten Öffnung von Kindergartengruppen für zweijährige Kinder erfolge die Ausweitung der Betreuungsangebote vor allem in so genannten altersgemischten Angeboten. „Das Bild vom ,typischen' Kindergarten hat sich grundlegend verändert. Vor dem Start des rheinland-pfälzischen Kindertagesstättenprogramms ,Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an' wurden die Kindergärten zu 85 Prozent ausschließlich durch die Jahrgangsgruppen der 3-Jährigen, 4-Jährigen und 5-Jährigen geprägt. Heute ist die individuelle, gemeinsame Bildung und Erziehung von Kindern verschiedener Altersgruppen in mehr als zwei Dritteln aller Kindergärten Alltag - und ganz überwiegend funktioniert das hervorragend“, unterstrich die Bildungs- und Jugendministerin. Erfreulich sei in diesem Zusammenhang auch, dass die bereits vor dem landesweiten Kindertagesstättenprogramm eingeräumte Möglichkeit der Aufnahme von bis zu zwei jüngeren Kindern in eine Kindergartengruppe ohne eine Aufstockung beim Personal rückläufig sei.

Der Zuwachs an Plätzen für Kinder unter drei Jahren finde allerdings nicht nur in den Kindergärten durch die verstärkte Aufnahme von Zweijährigen statt. Auch die Platzzahlen in Krippengruppen seien in den letzten beiden Kalenderjahren deutlich gestiegen. „Von August 2007 bis August 2008 lag die Zunahme bei rund 500 Plätzen landesweit, von August 2008 bis August 2009 wuchs die Zahl um weitere 600 Betreuungsmöglichkeiten auf mehr als 4.150 Krippenplätze“, bilanzierte Doris Ahnen.

Qualität früher Bildungs- und Erziehungsangebote steigern

Parallel zur Quantität werde in Rheinland-Pfalz auch die Qualität der Angebote für Kinder unter drei Jahren weiter vorangetrieben, so die Bildungs- und Jugendministerin. Das zeige sich schon daran, dass die Träger in den Kindertagesstätten mit zuletzt rund 22.000 Personen über 2.000 Erzieherinnen, Erzieher oder andere pädagogische Fachkräfte mehr beschäftigten als zwei Jahre zuvor. „Die qualitative Weiterentwicklung zeigt sich vor allem aber auch darin, dass das Niveau der pädagogischen Qualifizierung der Beschäftigten in den Kindertagesstätten stetig weiter verbessert wird. Die hohe Fortbildungsbereitschaft der Erzieherinnen und Erzieher ist beeindruckend und eine deutliche Bestätigung des vom Land seit drei Jahren mit jährlich zwei Millionen Euro geförderten Fortbildungsprogramms“, betonte Doris Ahnen. Zwischen 2006 und 2008 seien bei fast 3.600 Weiterbildungsmaßnahmen mehr als 57.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gezählt worden, 2009 kämen nach dem derzeitigen Stand weitere 1.200 Fortbildungsseminare und -kurse dazu. Im Mittelpunkt von mehr als 800 der insgesamt 4.800 Weiterbildungsmaßnahmen hätten dabei die Themen „Umgang mit altersgemischten Gruppen“, „Zweijährige im Kindergarten“ oder „Krippenpädagogik“ gestanden. „Dass die Bedeutung der besonderen pädagogischen Ansätze für Kinder unter drei Jahren in den Kindertagesstätten und bei den Fortbildungsträgern erkannt wird, zeigt auch die Tatsache, dass der Anteil dieser Themen am gesamten Weiterbildungsangebot von Jahr zu Jahr größer geworden ist“, sagte die Ministerin.

Von Landesseite aus werde daneben die Unterstützung von Trägern bei der Planung von Neubau- oder Umbaumaßnahmen für Kinder unter drei Jahren ausgeweitet, ergänzte Doris Ahnen. Mit dem Projekt „KinderRäume“ würden aktuell Fotos und Planskizzen beispielhafter Neu- und Umgestaltungen von Räumen, die speziell für Kinder dieser Altersgruppe gedacht seien, zusammengetragen. Diese „best-practice-Beispiele“ sollten dann unter anderem auf dem Kita-Server (www.kita.bildung-rp.de) vorgestellt werden. Damit sollten den Trägern Tipps und Anregungen gegeben werden, wie Aufenthalts-, Spiel- oder Ruheräume, in denen Krippengruppen oder aber altersgemischte Gruppen betreut werden, unter Berücksichtigung neuester pädagogischer, psychologischer, medizinischer, architektonischer und bautechnischer Erkenntnisse sinnvoll ausgestaltet werden könnten.

Ausbautempo weiter hochhalten

„Vor dem Hintergrund des ab August 2010 in Rheinland-Pfalz geltenden Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz für zweijährige Kinder und des mit dem Kinderförderungsgesetz für das Jahr 2013 festgeschriebenen Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem ersten Geburtstag müssen und wollen wir gemeinsam mit den Trägern der Kindertagesstätten das eingeschlagene Ausbautempo auch weiterhin hoch halten“, betonte Doris Ahnen. Mitte 2007 waren für den Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten und in der Tagespflege in Rheinland-Pfalz für den Zeitraum bis zum Jahr 2013 insgesamt 103 Millionen Euro aus der Bundeskasse und weitere 13,5 Millionen Euro aus der Landeskasse bereitgestellt worden. Hinzu kämen beträchtliche Eigenmittel der Kommunen, merkte die Ministerin anerkennend an. Mit den kommunalen Spitzenverbänden als Vertreter der Trägerseite sei vereinbart: Gegenüber dem Stand von 2007 sollten mit diesen Geldern rund 19.000 zusätzliche Plätze in Kindertagesstätten und in der Tagespflege neu geschaffen und finanziert werden.

„Der neueste Zwischenstand bei der Umsetzung dieser Vereinbarungen zeigt, dass durch die Unterstützung von Umwandlungen vorhandener Kita-Plätze sowie die Förderung von Neu- und Umbaumaßnahmen insgesamt 7.330 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren 2008 und 2009 bereits entstanden sind oder in naher Zukunft noch entstehen“, betonte Doris Ahnen. Mehr als 27,3 Millionen Euro seien dafür bereits insgesamt bewilligt worden. Die aktuellen Anzeichen sprächen dafür, dass das Tempo sogar gesteigert werde. Allein zwischen dem 1. April und dem 1. September dieses Jahres seien aus dem Sondervermögen des Bundes durch das Landesjugendamt Investitionskostenzuschüsse in Höhe von 15 Millionen Euro für die Schaffung zusätzlicher U-3-Plätze bewilligt worden. Vielfach zeige sich dabei, dass nach einer Phase, in der die meisten Träger ihr Platzangebot für Kinder unter drei Jahren durch die Umwidmung nicht benötigter Plätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren oder durch kleinere Erweiterungen bestehender Einrichtungen gesteigert hätten, nun verstärkt größere Erweiterungen oder gar Neubaumaßnahmen speziell für Kinder unter drei Jahren in Angriff genommen würden.

„Die Entwicklungen in der Kindertagesstättenstatistik zeigen deutlich, welch große Anstrengungen die kommunalen und die freien Träger von Kindertagesstätten sowie die örtlichen Jugendämter unternehmen, um das Angebot in der frühkindlichen Erziehung, Bildung und Betreuung weiter zu verbessern“, lobte Bildungs- und Jugendministerin Ahnen und ergänzte: „Die Landesregierung wird diese Anstrengungen auch weiterhin nach Kräften unterstützen. Mit dem Kindertagesstättenprogramm ,Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an' und mit den im März 2008 gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden vereinbarten Regelungen zum weiteren Ausbau der Betreuung von Kindern unter drei Jahren nach dem Kinderförderungsgesetz sind dafür sehr gute Grundlagen vorhanden.“

Anlage: Die Entwicklung des Platzangebots für Kinder unter 3 Jahre im Überblick

Mehr Informationen zur Kindertagesstättenpolitik in Rheinland-Pfalz finden sich im Internet unter: www.kita.bildung-rp.de