„Unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen“ – Otmar Weber mit Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt

Für sein langjähriges engagiertes Wirken um die Gedenkarbeit, insbesondere für die Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus in der Südwestpfalz hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den in Dahn lebenden pensionierten Gymnasiallehrer Otmar Weber mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

„Sie, Otmar Weber, haben sich der Erforschung des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur in der Pfalz und ganz besonders im Dahner Raum verschrieben. Seit Jahrzehnten schon setzen Sie sich für die Aufdeckung von Nazi-Unrecht und die Sensibilisierung für jedwede Art der Verharmlosung nationalsozialistischen Gedankenguts ein. Über viele Jahre haben Sie in Ihrer Freizeit diverse Einzelaspekte dieser Geschichte aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihr Anliegen ist es, aufzuklären und zu vermitteln, aber nicht anzuklagen“, sagte Staatsminister Konrad Wolf anlässlich der Ordensverleihung, die er heute in Vertretung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer vornahm. „In zahlreichen Publikationen haben Sie sich um die Aufarbeitung der Geschichte der Juden insbesondere in Dahn und darüber hinaus im Wasgau eingesetzt. Sie sind das jüdische Gedächtnis des Wasgaus.“

In seiner Laudatio skizzierte der Minister den Werdegang von Otmar Weber. Weber wurde am 2. April 1939 in Nanzditschweiler geboren. Er studierte in Mainz und Tübingen katholische Theologie, unter anderem bei den Theologen Hans Küng und Josef Ratzinger, sowie Geschichte und Politikwissenschaft. Er schloss seine Studien als diplomierter Theologe ab. Bis 2002 war er Lehrer für Religion und Geschichte am Pirmasenser Leibniz-Gymnasium.

Otmar Weber hat sich schon zu Beginn seiner Studienzeit mit der Geschichte der deutschen Juden befasst. Nach seinem Umzug 1980 nach Dahn begann er sich intensiv mit dem Leben der jüdischen Mitbürger zu beschäftigen, die einst den Wasgau politisch, wirtschaftlich und kulturell entscheidend mitgeprägt haben. Er hat unzählige Vorträge gehalten, Zeitungsartikel verfasst, Bücher geschrieben und Führungen veranstaltet, so z. B. zum jüdischen Friedhof in Busenberg oder auch zur ehemaligen Dahner Synagoge. Darüber hinaus hat Weber ein reichhaltiges Archiv angelegt, das einen Überblick über jüdisches Leben in der Region seit 1900 gibt. In über 40 Ordnern hat er akribisch gesammelt, was es über das Judentum hier zu erfahren gab.

Auf Initiative Webers wurden 2006 die ersten 13 „Stolpersteine“ in Dahn verlegt, die an ehemalige jüdische Mitbürger und ihr grausames Schicksal erinnern. In einer zweiten Aktion folgten 2007 weitere neun. Vor allem aber hat Otmar Weber den Kontakt zu ehemaligen Dahner jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern bzw. zu deren Nachkommen aufgebaut und kontinuierlich gepflegt. Auf diese Kontaktaufnahme geht beispielsweise das Heimattreffen ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger zurück, das vom 5. bis 14. Juli 1991 in Dahn stattfand.

Bis Ende 2014 organisierte der Dahner über 25 Jahre die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht, deren Initiator er 1988 war. „Die jährlich von Ihnen durchgeführten Gedenkveranstaltungen am 9. November, mit denen Sie insbesondere auch junge Menschen in Schulen gezielt erreichen, sind ein wichtiger Teil Ihres beeindruckenden Geschichts- und Vermittlungsengagements. Dieses Engagement wird über die Region hinaus gewürdigt und hat große Aufmerksamkeit erfahren, etwa in dem Film des amerikanischen Regisseurs Peter Blystone über die ‚letzten Wasgaujuden‘. Nicht zuletzt sind Sie seit vielen Jahren in der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz aktiv“, ergänzte der Minister.

„Gerade vor dem Hintergrund des enormen Verlustes jüdischer Kultur ist die aktive Aufarbeitung der historischen Details ein zentraler Baustein einer wichtigen, aktiven Erinnerungsarbeit. Doch der Wert Ihrer Arbeit reicht noch weiter: Durch Ihre Recherchen, Ihr Engagement und nicht zuletzt durch Ihre Publikationen erweisen Sie den Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen Respekt und setzen ein wertvolles Zeichen gegen das Vergessen. Ihre Arbeit ist daher zugleich eine Mahnung, dass sich die schrecklichen Geschehnisse im Dritten Reich niemals wiederholen dürfen“, betonte Konrad Wolf. „Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen heute als Anerkennung, gleichsam als Dank der Gesellschaft namens des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wie auch unserer Ministerpräsidentin Malu Dreyer, diese Auszeichnung zu überreichen. Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich und danke Ihnen für Ihr außerordentliches Engagement.“