Sommersemester 2020 gestartet: Lehrveranstaltungen überwiegend digital

Das aktuelle Sommersemester ist an allen rheinland-pfälzischen Hochschulen zunächst digital gestartet. Die Hochschulen und Universitäten bieten den überwiegenden Anteil der Lehrveranstaltungen dieses Semester digital an. Die Hochschulen melden je nach Ausrichtung und Fachrichtung zwischen 75 und 100 Prozent Umstellung auf digitale Formate. Über den laufenden Hochschulpakt werden weitere Maßnahmen der Digitalisierung mit insgesamt 5,5 Mio. Euro unterstützt.

„Das digitale Sommersemester ist gut gestartet. Dank unserer guten Infrastruktur mit dem Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz und weiteren Kooperationen haben wir eine solide technische Basis, die Lehre an den Hochschulen digital anzubieten. Die Umstellungszahlen sind beeindruckend. Meinen herzlichen Dank an alle, die hier sich in den vergangenen Wochen eingebracht haben“, so Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf. „Es zeigt sich aber auch, dass in der Krise eine Chance liegt. Die Digitalisierung versetzt uns in die Lage, neue Formate zum Beispiel des kollaborativen Lernens zu erschließen. Das wird ein Gewinn für die Zukunft sein.“

So rechnet die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) damit, dass Anfang Mai nahezu alle Lehrangebote in digitalen Formaten angeboten werden - ausgenommen z.B. Lehrveranstaltungen mit hohem Praxisanteil, etwa in Laboren oder im künstlerischen, musikalischen und sportpraktischen Bereich. Die Universität Trier und die Universität Koblenz-Landau gehen nach jetzigem Stand davon aus, das 90 Prozent der Lehrveranstaltungen digital angeboten werden. Die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen meldet eine Digitalisierung des Lehrangebots von 98 Prozent, die Hochschule Koblenz 90 Prozent und die Hochschule Mainz 80 bis 85 Prozent. Je nach Fachbereich und Studiengang liegen bei der Hochschule Trier und der Hochschule Kaiserslautern eine Umstellung auf digitale Lehre oder andere Formen des Distance Learing zwischen 75 und 100 Prozent vor. An der Technischen Hochschule Bingen werden sämtliche Vorlesungen digital angeboten.

Um die bestehende digitale Infrastruktur auszubauen, werden insgesamt 5,5 Mio. Euro aus dem laufenden Hochschulpakt genutzt. Mit etwa einer halben Million Euro werden die zentrale Infrastruktur ausgebaut und Maßnahmen der landesweiten Verbünde unterstützt. So werden die Anbindung des Wissenschaftsnetzes Rheinland-Pfalz (WiN-RP) an den Internetaustauschknoten De-Cix ausgebaut und einzelne Funkstrecken gestärkt. Die Server- und Speicherkapazitäten des zentralen Video- und Medienservers der JGU und des Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) werden kurzfristig ausgebaut. Die Software Big Blue Button, die virtuellen Klassenzimmer und Videokonferenz ermöglicht, wird landesweit zur Verfügung gestellt und auf der Lernplattform OLAT integriert. Die restlichen Mittel werden für Maßnahmen an den rheinland-pfälzischen Hochschulen verwandt. Diese können von den Hochschulen für zusätzliche Videoaufzeichnungsgeräte, digitale Medien oder zur Unterstützung der Lehrenden bei der Konzeption und Erstellung digitaler Lehrkonzepte und Kurse genutzt werden.

Die digitale Lehr-Infrastruktur in Rheinland-Pfalz basiert im Wesentlichen auf drei Säulen: Der Virtuelle Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) ist eine gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung aller Hochschulen und leistet die zentrale Dienstleistungs-, Unterstützungs- und Koordinationsfunktion für alle rheinland-pfälzischen Hochschulen. So bietet der VCRP seit der Gründung im Jahre 2000 digitale Medien und digitale Lehr- und Lernformate für das gesamte Studienangebot der Hochschulen. Das vom Virtuellen Campus für alle Hochschulen bereitgestellte Learning Management System OpenOlat sowie das vom VCRP landesweite bereitgestellte Video-Content-Management-System werden über das Regionale Hochschulrechenzentrum der Technischen Universität Kaiserslautern (RHRK) bzw. das Zentrum für Datenverarbeitung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (ZDV-JGU) bereitgestellt.

Das Wissenschaftsnetz Rheinland-Pfalz (WiN-RP) verbindet die Hochschulen mit einem leistungsfähigen und kostengünstigen Internet-Anschluss. Das redundante Glasfaser-Kernnetz liefert bidirektional eine Bandbreite von 40 GBit / s. Die Hochschulen selbst sind mit einer Übertragungsrate zwischen 800 Mbit / s und 10 GBit / s an den Glasfaserring angeschlossen. Weiterhin ermöglicht eine direkte Leitung zwischen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der TU Kaiserslautern die Kopplung der dortigen Hochleistungsrechner mit einer Bandbreite von 120 GBit / s.

Über die 2017 von den Hochschulen gegründete Rechenzentrumsallianz Rheinland-Pfalz (RARP) werden IT-Infrastrukturen und Dienstleistungen für die Hochschulen gebündelt und bereitgestellt. Beispielsweise wird mit dem Service seafile.rlp.net eine zentrale Plattform für kollaboratives Arbeiten für alle Studierenden und Hochschulmitarbeiter bereitgestellt.

Die Fachhochschulen haben zusätzlich gemeinsam das Zentrum für Hochschul-IT gegründet, über das zentrale Softwarelösungen für die Verwaltungen bereitgestellt werden, wie z.B. die E-Rechnung oder das Campus Management System.

"Wir registrieren momentan einen rasanten Anstieg der Nutzerzahlen unserer landesweiten Angebote insbesondere bei den Autoren, aber zunehmend auch bei den Studierenden. Die Systeme des VCRP verfügen über ausreichend Ausbaureserven, um auch steigende Nutzungsraten gut zu bewältigen. Wir profitieren in der aktuellen Situation von einer erprobten und gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen VCRP und den lokalen Service-Einrichtungen der Hochschulen", berichtet Dr. Konrad Faber, Geschäftsführer des VCRP.

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise hat sich die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer auf den E-Learning-Plattformen des VCRP stark erhöht, so ist z.B. die Zahl der Lehrenden, die auf dem landesweiten E-Learning-System OpenOLAT digital Lehrmaterial bereitstellen, auf über 6.300 gestiegen. Das ist ein Anstieg von 500 Personen innerhalb eines Monats. Auch die Zahl der Nutzenden der zentralen Videoserver und die Zahl der Zugriffe auf die Videoserver hat sich in den letzten Wochen um ca. 25 Prozent erhöht auf mehr als 180.000. Diese Plattformen werden aktuell verstärkt für virtuelle Veranstaltungsformen anstelle von Präsenzveranstaltungen in den Hochschulen genutzt.

„Die Mehrzahl und insbesondere die großen Hochschulstandorte verfügen über Netzanschlüsse mit einer Bandbreite von 10 Gigabit / sec. oder mehr. Unser Anspruch ist, mittelfristig alle, auch die kleineren Standorte mit einer redundanten Bandbreite von 10 Gigabit / sec. zu versorgen. Damit ist das Wissenschaftsnetz Rheinland-Pfalz gut gerüstet, um die Bereitstellung digitaler Lehr- und Lernangebote auch bei einem deutlichen Ausbau sicherzustellen“, so Prof. Dr. André Brinkmann, Leiter des Zentrums für Datenverarbeitung der Johannes Gutenberg Universität Mainz.