Kulturminister Konrad Wolf besucht ehemalige Synagoge Niederzissen: Sammlung online zugänglich 

Das jüdische Museum der ehemaligen Synagoge Niederzissen ist mit seinen Ausstellungsstücken nun auch Bestandteil der bundesweiten Plattform „museum-digital“. Die Sammlung ermöglicht dadurch Einblicke in die jüdische Kultur in Deutschland. Durch die Digitalisierung können die Ausstellungsstücke nun einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

„Die mit großer Dynamik fortschreitende Digitalisierung erhält und verbreitet das Kulturelle Erbe in Rheinland-Pfalz. Sie bietet für die Archäologie, die Archiv- und Bibliothekslandschaft wie eben auch für die Museen die Möglichkeit, eine virtuelle Sicherung der schriftlichen und musealen Überlieferungen zur Geschichte und Kultur des Landes zu leisten“, so Kulturminister Konrad Wolf bei der Präsentation des „Digitalen Museums“ in der ehemaligen Synagoge Niederzissen. Im Rahmen dieses Projektes wurden verschiedene Ausstellungsstücke des jüdischen Museums elektronisch erfasst und somit auch digital zugänglich gemacht. 

Als Teil der bundesweiten „museum-digital“-Plattform können ausgewählte Ausstellungsstücke des jüdischen Museums nun online über das Museumsportal abgerufen werden. Insbesondere die Genisafunde liefern dabei ein tieferes Verständnis der jüdischen Kultur in Deutschland und leisten damit einen zentralen Beitrag zur wichtigen Erinnerungsarbeit. “Diese spezifische Erinnerungskultur in Niederzissen wird durch die erweiterte digitale Präsentation weltweit sichtbar“, betonte Wolf.  

Unter dem Begriff Genisa werden im Judentum versteckte Depots für unbrauchbar gewordene religiöse Schriften verstanden. 2011 waren auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge Schriftstücke wie etwa Briefe und Handelsdokumente gefunden worden. Sie geben einen Einblick in die jüdische Kultur über mehrere Jahrhunderte hinweg und bilden somit ein wichtiges Zeugnis der Erinnerungskultur. Ein Teil der Funde wurde bereits digitalisiert Dieser Digitalisierungsprozess schreitet weiter voran und wird weitere Ausstellungsstücke umfassen.  

Das jüdischen Museum in einem Werkstattanbau der ehemaligen Synagoge besteht bereits seit 2012. Mit der Gründung vor 178 Jahren entstand ein jüdisches Gemein-deleben, dass durch die Nationalsozialisten ein Ende fand. Nach der Entweihung des Andachtsgebäudes 1938 wurde das Gebäude als Schmiede zweckentfremdet. Erst mit einem Beschluss vom 9. November 2009 kaufte die Gemeinde es zurück und restaurierte es. 

Zu diesem Zweck war ein Verein zur Förderung des Kulturgutes „ehemalige Synagoge“ Niederzissen gegründet worden. „Allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich in den vergangenen Jahren so erfolgreich für diese Erinnerungsarbeit hier in Niederzissen eingesetzt haben, möchte ich seitens der Landesregierung sehr herzlich für dieses herausragende Engagement danken“, sagte Wolf in seiner Ansprache. 

„Nicht zuletzt vor dem aktuellen Hintergrund ist es wichtig, der Erinnerung an Jüdisches Leben und jüdische Kultur, Raum und Stimme zu geben, wie dies in geradezu vorbildlicher und nachhaltiger Weise hier in Niederzissen geschieht“, so Wolf. Rheinland-Pfalz verfügt mit den SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz über eine herausragende bis ins Mittelalter zurückliegende jüdische Tradition. Um diesem historischen Erbe gerecht zu werden, wurde am 23. Januar 2020 ein Antrag als Welterbestätte bei der UNESCO eingereicht. Eine der vielen Ergänzungen dieser Erinnerungskultur stellt nun auch die digitalisierte Sammlung der „Ehemaligen Synagoge“ Niederzissen dar.