Fachministerkonferenz für Hochschulwesen und Forschung der Großregion: Internationale Forschungsförderung gestartet

Die Großregion startet ihr Programm zur internationalen Forschungsförderung. Insgesamt werden drei Projekte in der Wissenschaftskommunikation gefördert, beschlossen die Fachministerinnen und Fachminister sowie Verantwortlichen für Hochschulwesen und Forschung der fünf Partnerregionen – Saarland, Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz, Wallonische Region, Französische Gemeinschaft Belgiens, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. In der gemeinsamen Fachministerkonferenz zogen sie darüber hinaus Bilanz zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Hochschulen und in der Forschung und sprachen sich für eine Stärkung der Universität der Großregion als Europäische Universität aus. Die gemeinsame Sitzung fand als Videokonferenz unter dem Vorsitz des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans statt, der auch gleichzeitig zuständiger Ressortminister ist.

„Die neu geschaffene Interregionale Forschungsförderung ist ein wichtiger Schritt, Forschung und Lehre in der Großregion enger zusammenwachsen zu lassen“, so der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf. „Wir stärken die Wissenschaftskommunikation und unterstützen damit die Netzwerkbildung innerhalb der Hochschulen der Großregion. So wollen wir Forschungsgebiete entwickeln, die auch eine weitere Drittmitteleinwerbung ermöglichen.“

Insgesamt werden drei Projekte im Rahmen der 2020 neu eingeführten „Interregionalen Forschungsförderung“ in einer ersten Bewilligungsrunde unterstützt. Mit dem Förderinstrument soll die wissenschaftliche Exzellenz in der Großregion gestärkt und neue Synergien im Forschungsbereich geschaffen werden. Hierfür stehen insgesamt alle zwei Jahre insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. Durch die neue Fördermaßnahme können nationale und internationale Spitzenprojekte zusätzliche Mittel erhalten für die Kommunikation ihrer Projektergebnisse innerhalb der Großregion. Unterstützt wird das Projekt „Fluxus“ der Universität Luxemburg mit 5.000 Euro, das Mobilität und Netzwerke von ausländischen Arbeitskräften in der grenzüberschreitenden Minette-Region in der Zwischenkriegszeit erforscht, das Projekt „4DCallab“ der Universität Lothringen über Anwendungen von synchronen 4D-Techniken (5.000 Euro) und mit 10.000 Euro das Projekt „PhysPath-KS“ (Ecole Nationale Supérieure d’Architecture Nancy), das sich mit der Pathophysiologie des Keutelsyndroms beschäftigt. 

Darüber hinaus unterstrichen die Partnerinnen und Partner auch die besondere Bedeutung des Interreg-Programms der Europäischen Union (EU) für die Förderung, der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich Hochschulwesen und Forschung. Es stellt aktuell das bisher einzige Finanzierungsinstrument dar, welches multilaterale, grenzüberschreitende Wissenschafts- und Forschungsprojekte zielgerichtet unterstützt. So wurden im Zeitraum 2014 bis 2020 zwanzig Forschungsprojekte mit fast 30 Millionen Euro durch das Interreg-Programm unterstützt. 

„Globale Herausforderungen verlangen globale Antworten. Wissenschaft kommt hier eine entscheidende Rolle zu, gerade in Bezug auf die Pandemie. Sie liefert hier vielfältige Lösungsstrategien – von Analysen, der Impfstoffforschung bis zu technischer Infrastruktur zu ihrer Bewältigung. Die Corona-Pandemie verdeutlicht, dass wir eine enge Zusammenarbeit der Hochschulen und Forschungseinrichtungen über die Grenzen hinweg benötigen. Das bestärkt uns, Forschung stärker in der Großregion, europäisch und global zu denken“, so Wissenschaftsminister Konrad Wolf. „Mit den Interreg A-Programmen finanziert die Europäische Union im Rahmen ihrer Kohäsionspolitik seit nunmehr 30 Jahren grenzüberschreitende Projekte. Auch für die nächste Förderperiode von 2021 bis 2027 sollen hierfür wieder europäische Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung bereitgestellt werden. Die Bilanz des aktuell laufenden Interreg V-A-Programms für die Großregion zeigt uns, dass insbesondere die Akteure der Hochschulbildung und Forschung von Interreg-Mitteln profitieren.“

Besonderer Schwerpunkt der Beratungen der Fachministerinnen und Fachminister war ebenso die weitere Unterstützung der Universität der Großregion auf ihrem Weg hin zu einer anerkannten Europäischen Hochschule. Das Ziel ist daher, den Universitätszusammenschluss als Teil des Netzwerke-Programms der EU zu etablieren. Die Teilnehmenden der Online-Konferenz verdeutlichten sie nochmals den besonderen Charakter der Universität der Großregion als Leuchtturm und Pionier grenzüberschreitender Zusammenarbeit. So bietet die hervorragende Kooperation der Universitäten in Kaiserslautern, Lüttich, Luxembourg, Metz, Nancy, Saarbrücken und Trier vielfältige grenzübergreifende Angebote für die Studierenden der Region. Die Partnerinnen und Partner kamen daher überein, sich bei den europäischen Instanzen dafür einzusetzen, dass die grenzüberschreitende interuniversitäre Zusammenarbeit der Universität der Großregion im Rahmen künftiger EU-Programme gebührend berücksichtigt werden soll.

Ebenfalls verabschiedete die Fachministerkonferenz einen Leitfaden zum „Hochschulwesen und Forschung“ in der Großregion. Mit dieser mehrsprachigen Broschüre, die auch im Netz abrufbar sein wird, soll der Fachwelt und allen Interessenten eine umfassende Kenntnis der Akteure in Hochschulwesen und Forschung innerhalb der Großregion ermöglicht werden. Auch die Unterstützung der achten Ausgabe des Interregionalen Wissenschaftspreises der Großregion wurde beschossen. 

„Trotz erschwerter Rahmenbedingungen, die es uns leider verwehrt haben, die Partner persönlich in Saarbrücken begrüßen zu können, gab es einen äußerst fruchtbaren Austausch über die Weiterentwicklung der Hochschul- und Forschungskooperationen in der Großregion. Dabei begrüße ich besonders, dass es gelungen ist, sich auf ein gemeinschaftliches Vorgehen zur Unterstützung der Universität der Großregion gegenüber der Europäischen Union zu verständigen“, so Ministerpräsident Hans.
 
Interregionale Forschungsförderung: Geförderte Projekte 

Trotz der erschwerten Bedingungen durch die Corona-Pandemie konnten in der diesjährig ersten Ausschreibungsrunde der Interregionalen Forschungsförderung drei Projekte ausgewählt werden, die insgesamt eine Förderung in Höhe von 20.000 Euro erhalten:

1.    Das Projekt PhysPath-KS (Ein besseres Verständnis der Pathophysiologie des Keutelsyndroms als ein Weg zur Heilung) der Universität Lothringen sieht u.a. ein Kolloquium in Nancy vor, zu dem internationale Expertinnen und Experten (Forscherinnen und Forscher, Klinikärztinnen und -ärzte sowie Vertreterinnen und Vertretern von Patientenverbänden) aus der Großregion eingeladen werden sollen. Es wird mit 10.000 Euro gefördert.
2.    Das Projekt Fluxus (Ströme, Mobilität und Netzwerke von ausländischen Arbeitskräften in der grenzüberschreitenden Minette-Region in der Zwischenkriegszeit) der Universität Luxemburg beabsichtigt mit der Förderung in Höhe von 5.000 Euro, in Zusammenarbeit mit dem Center of Border Studies an der Universität der Großregion die gemeinsame Forschungserkenntnisse in Form von sechs geplanten Vorträgen an allen Partnerhochschulen der Universität der Großregion einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 
3.    Im Rahmen des mit 5.000 Euro geförderten Projekts 4DCollab (Praktiken und Anwendung von synchronen 4D-Techniken als Entscheidungshilfen für Architektur, Ingenieurarbeiten und Konstruktion) der Ecole Nationale Supérieure d’Architecture de Nancy soll spezielles Kommunikationsmaterial zur Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sowie bei Fachkonferenzen in Luxemburg und in Grand-Est entwickelt werden.